Bericht über eine Flucht aus Syrien

Ich heiße Gwana Hasso, bin am 03.10.2002 in Syrien, in Qamischli, geboren und lebe jetzt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.
Wir lebten ganz in Frieden. Ich hatte die beste Kindheit, die man sich wünschen konnte. Doch aus irgendwelchen unbekannten Gründen änderte sich dies.
Am Anfang März 2011 wurde gesagt, dass der Strom von 19 bis 22 Uhr ausgehen werde. Und am Ende März 2011 geschah dies tatsächlich und wir wussten schon, es würde sich etwas verändern.
Mit der Zeit wurde es schlimmer. Es gab keine Sicherheit auf den Straßen mehr. Es wurden Kinder entführt und irgendwann wurde es sogar schwierig, das Brot für die Familie zu besorgen.
2014 beschloss mein Vater nach Deutschland auszuwandern, denn mein Onkel wohnte dort und wir hatten die Möglichkeit, normal zu fliegen und mussten nicht, wie viele andere Familien, z.B. über das Meer kommen. Ich werde niemals vergessen, wie sehr meine Mutter an dem Tag geweint hat, denn es fiel keinem von uns leicht, Syrien zu verlassen. Ich persönlich konnte und wollte es gar nicht wahr haben, bis es doch so weit war.
Am 03.07.2014 hörte ich dies, das Schrecklichste, was man mir sagen konnte. Als ich von der Schule kam, sah ich, wie meine Mutter alles schon vorbereitet hatte, denn unsere Möbel waren schon verkauft worden. Sie sagte mir, wir müssten am 07.07.2014 um 03:00 Uhr morgens bereit sein, denn es käme ein Wagen, der uns abholen würde. Außer einer kleinen Tasche, die von Erinnerungen und Fotos meiner Freunde und Familie voll war, wollte und habe ich nichts eingepackt. Ich wollte einfach nicht, dass die Uhr weitergeht, ich hoffte, dass irgendetwas passiert, dass das Auswandern verhindern würde, aber es geschah nichts.
Dann war es soweit, dass wir unseren letzten Tag zu Hause hatten. Egal, wie sehr ich schreibe oder erzähle, reichen die Wörter nicht dafür, das schreckliche Gefühl und die Gewissheit, dass man vielleicht nie wieder seine Heimat, seine Freunde oder sogar seine Familie, sieht, zu beschreiben. Als der 7. März kam und an unserer Türe morgens um 03.00 geklingelt wurde, verlor ich die Hoffnung und fühlte mich so, als würde die Welt untergehen.
Wir mussten durch viele Städte fahren, aber das Gefährlichste war, dass wir auch durch Städte fahren mussten, in denen die ISIS herrschte. Um lebend durchfahren zu können, mussten wir uns so verkleiden, wie sie es wollten bzw. sie selbst gekleidet waren. Um 07:00 Uhr morgens kamen wir in dem Gebiet der ISIS an und der Fahrer befahl uns schwarze Kopftücher, schwarze Mäntel, schwarze Handschuhe und schwarze Gesichtsmasken zu tragen. Man konnte nur noch ganz schwach unsere Augen erkennen. Wir hörten, dass sie viele Menschen verhafteten, sodass sie nie wieder freikommen würden, töteten oder bis zum Tode schlugen. Wir hatten so Angst, wir wussten nicht einmal, ob wir gleich noch leben würden oder ob wir einen schrecklichen Tod erleiden würden. Ich begann zu beten und zu hoffen, dass wir lebend durchkommen würden. Als wir eine Gruppe von ihnen trafen, haben sie uns zum Glück nichts angetan und ließen uns friedlich weiterfahren.
Dann um 15:00 Uhr Nachmittag kamen wir an der türkischen Grenze an, wo wir zweieinhalb Stunden warten mussten, bis unsere Papiere kontrolliert wurden. Wir nahmen dann ein Taxi, das uns zu einem Bahnhof bringen sollte. Doch der Fahrer verfuhr sich. Auf jeden Fall kamen wir nach einem sehr anstrengenden Tag um Mitternacht bei meinem Onkel in der Türkei an. Dort lebten wir sieben Wochen bis wir am 25.08.2014 nach Deutschland flogen. Um 19.30 kamen wir am Düsseldorfer Flughafen an.
Wie jeder andere Syrer wünsche ich mir, dass der Krieg endlich aufhört, dass sie aufhören, Kinder zu töten und Träume zerstören, egal wer daran Schuld ist, ob Al-Assad, Trump oder Putin. Vielleicht sollten sie nur ein einziges Mal dran denken, wie viele Menschen sie umgebracht haben und wie viele Kinder jetzt ohne Familie auf den Straßen leben. Vielleicht sollten sie sich das Mal mit ihren eigenen Kindern vorstellen.

In Erinnerung an meine Heimat habe ich das Gedicht „Syrien“ geschrieben. Da ich hier so freundlich aufgenommen wurde und Freunde gefunden habe, habe ich das Gedicht „Schatz des Lebens“ verfasst

Gwana Hasso (14), Klasse 7d

Syrien

Es war ein Land
voller Freude
aber nur noch Leiden
gibt es heute.

Seine Sonne scheint so hell
wie keine andere
und so liebe wie seine Leute gibt es
keine bessere.

Sie sagten, es werde bald alles
wieder gut,
doch von Tag zu Tag gibt es mehr Blut.

Wir haben es gar nicht leicht
und, ob das Ganze ein Ende
hat, ist nur vielleicht.

Von Strom und Wasser
träumen Kinder,
von glücklichen Familien
träumen Mütter,
von einer sicheren Arbeit
träumen Männer,
und eine friedliche Heimat
wünscht sich jeder.

Vielleicht können dich Trump
und Putin nicht leiden,
aber in unseren Herzen
wirst Du immer bleiben.

Dich vergesse ich nie, meine Heimat,
wo meine Wiege stand,
denn nirgendwo finde ich
ein zweites Heimatland.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.