Wenn Bienen mit der Post kommen und im Bienenstock der Ordnungswahnsinn ausbricht

Von Clara Billerbeck und Nele Blümel

Als leidenschaftliche Mathematiklehrerin hat sich Martina Krüsemann vor allem der Welt der Zahlen verschrieben. Was jedoch kaum jemand weiß: Ihre Freizeit widmet sie weder Pythagoras noch Thales sondern dem Honig! Wir haben die Honigexpertin besucht und sie zu ihrem ausgefallenen Hobby befragt.  

GreenLionz: „Was gehört zu ihren Aufgaben als Imkerin?“ 

Martina Krüsemann: „Momentan nichts, jetzt ist Pause. Los geht das ganze im Frühling, so im Februar. Dann muss ich gucken, ob genug Futter da ist, wenn es draußen immer noch kalt ist und gegebenenfalls nachfüllen. Das versuche ich aber immer zu vermeiden. So im März bis April geht dann die Blüte los und wenn die Kirschbäume blühen, kriegen die Bienen die ersten Honigräume. Dort muss ich dann also erweitern, das heißt Waben in den Bienenstock einhängen, in denen die Bienen den Honig einlagern können. So Anfang, Mitte Juni sind die Waben voll, dann kann ich den Honig ernten: Ihn also wegnehmen, schleudern und abfüllen Dann bekommen die Bienen einen neuen Honigraum, in den kommt die Sommertracht hinein, also der Honig der Blüten, die in den Sommermonaten blühen. Im Juli oder August wird dieser Honig geerntet. Anschließend muss ich die Bienenvölker gegen die Milbe Varroa behandeln. Die bekämpft man mit Ameisensäure oder mit Oxalsäure. Das muss ich eventuell auch noch einmal im Winter machen, je nachdem wie viele Milben dann noch da sind.“ 

GreenLionz: „Wie funktioniert die Bekämpfung dieser Milben?“ 

Frau Krüsemann: „Es gibt Verdunster die man kaufen kann. Dort legt man ein Löschpapier ein. Darauf tropft man dann die Ameisensäure und die verdunstet. Die Bienen vertragen das gut und die Milben halt nicht. Die sterben und fallen dann herunter. Die Oxalsäure muss man sprühen. Das ist jedoch problematisch, da man bei der Vielzahl von Bienen, niemals alle erwischen kannn.“ 

GreenLionz: „Wie lange dauert es im Schnitt, ein Glas Honig zu bekommen?“ 

Frau Krüsemann: „Ach, das ist schade, das weiß ich nicht auswendig. Die Bienen müssen ja zigtausend Mal fliegen. Ich habe ein Plakat, da steht das drauf. Wenn ich Honig ernte, habe ich ja sofort ganz viele Gläser zusammen, denn ein Bienenvolk bringt im Jahr circa 20-30 kg Honig.“ 

GreenLionz: „Und was machen sie mit ihrem Honig? Essen sie ihn selber oder verkaufen sie ihn auch?“

Frau Krüsemann: „Beides. Wir essen selber unheimlich viel Honig, weil uns der wirklich gut schmeckt. Aber ich verkaufe auch. Hier im Kollegium, oder mein Mann verkauft bei seiner Arbeit, Nachbarn kommen vorbei und wollen etwas abhaben. Ich habe auch schon mal in Hohenlimburg auf einem Fest verkauft. Auf dem Weihnachtsmarkt verkaufe ich aber nicht, dafür habe ich nicht genug Honig.“ 

GreenLionz: „Wie sind sie zu diesem Hobby gekommen?“ 

Frau Krüsemann: „Mir ist vor vier Jahren aufgefallen, dass in unserem Garten nur noch Hummeln fliegen und keine Bienen mehr. Wir hatten nämlich unten in Reh einen Imker, der war gestorben und es gab eben keinen anderen Imker in der Nähe. Dann habe ich mit Nachbarn zusammen einen Kurs an der Volkshochschule gemacht, der fing im Herbst an und endete im Frühjahr. Dann bekam ich auch sofort ein Bienenvolk.“ 

GreenLionz: „Muss man denn so einen Kurs belegen?“  

Frau Krüsemann: „Es ist schon sinnvoll. Man darf zum Beispiel Honig auch nur dann verkaufen, wenn man einen Honiglehrgang gemacht hat. Da kriegt man nachher ein richtiges Zertifikat, so ganz feierlich. Ist ja auch richtig so, Honig ist ja ein Lebensmittel. Aber so ein Lehrgang macht ja auch Spaß, man lernt da wirklich viel.“ 

GreenLionz: „Was gefällt Ihnen am Imkern am meisten?“  

Frau Krüsemann: „Oh, das kann ich gar nicht sagen. Also sehr schön ist, dass die Bienen sehr friedlich sind. Man kann die Völker aufmachen und die Bienen bleiben ja drinnen, die greifen einen in der Regel nicht an. Sie lassen also alles mit sich machen, solange man ruhig ist. Wenn ich aus der Schule komme und viel Stress hatte und dann zu meinen Bienen gehe, dann bin ich schlagartig ruhig. Ich vergesse eben alles andere und mach dann so dies und das, was gerade so ansteht. Das ist sehr erholsam. Es entschleunigt einen total. Hinzu kommt, dass Bienen wilde Tiere sind. Sie vertragen es, wenn man nicht jede Woche reingucken nach ihnen schaut. Darum ist das ein sehr schönes Hobby. Und natürlich der ganze Honig!“ 

GreenLionzKann jeder ImkerIn werdenWenn man sich dafür interessiertreicht eseinen
Lehrgang zu machen? 

Frau Krüsemann: „Ja,man kann Lehrgänge besuchen. Natürlich braucht man auch unheimlich viele
Sachen, wie etwa die Montur, Handschuhe oder ein Meisel.” 

Ich würde gerne eine Imker-AG anbieten. Leider konnte ich es bisher nicht machen, weil ich zum einen nicht weiß, ob sich Resonanz findet und sich Leute melden und es zum Anderen für mich auch deutlich umständlicher ist. Bei meinen Bienen zu Hause im Garten kann ich schnell gucken, ob alles in Ordnung ist, aber wenn ein oder zwei Bienenvölker auch hier an der Schule stehen, habe ich zwei Baustellen. Auch die ganze Ausstattung müsste ich immer hin- und hertragen, aber vielleicht kommt es ja doch mal zu einer Bienen- oder Imker-AG. Dann könnten wir schuleigenen Honig verkaufen. Ein passender Standort wäre der Bereich hinter der Biologie, weil dort kaum jemand hergeht und es meistens sonnig ist.” 

GreenLionzWäre der Standpunkt denn nicht gefährlichweil dort ja auch viele SchülerInnen entlanglaufen und Kinder spielen?” 

Frau Krüsemann: „Vor den Bienenstöcken muss man ungefähr zwei bis drei Meter Platz als eine Art Schutzraum lassen. Bienen fliegen nicht zu den Menschen, weil sie das gar nicht interessiert, sondern zu den Blüten. Die Tiere würden nie beim Eis-Essen stören, da sie das nicht mögen.” 

GreenLionz:  Wie genau kann man sich die Arbeit bei der Imker-AG denn vorstellen?” 

Frau Krüsemann: „Die Hauptarbeit ist immer zwischen März und August. Zu dieser Zeit muss man sogar wöchentlich nach den Bienen und deren Honig gucken.” 

GreenLionzUnd was würde in den Ferien mit den Bienen passieren?” 

Frau Krüsemann: „In den Ferien, natürlich besonders in den Sommerferien, muss der Honig geschleudert werden, was man dann aber selbst sieht und da sie einmal pro Woche kontrolliert werden müssen, könnte das Volk wieder Platz in meinem Garten finden.” 

GreenLionz: Wo haben Sie die Bienen bekommenKann man sie irgendwo kaufen? 

FrauKrüsemann: „Ja, Bienen kann man kaufen, aber man sollte immer ein Gesundheitszeugnis
verlangen. Jetzt ist in Hagen passiert, dass ein Imker Bienenvölker verkauft hat, die amerikanische Faulbrut haben. Das ist eine höchst ansteckende Krankheit, an der die Völker kaputtgehen und das war und ist immer noch sehr bitter. Wir haben zehn Völker von diesem Imker gekriegt, die jetzt alle die Pest haben und die wir nun behandeln müssen.  

Ich habe mit zwei Völkern angefangen, die ich gekauft habe, und dann zieht man sich aus den eigenen Völkern selbst Ableger. Ein Volk hat eine Königin und der Rest sind Arbeiter und Dronen. Wenn man einfach Brutwaben mit Arbeiterinnen herausnimmt und diese in ein neues Volk steckt, dann ziehen sich die Arbeiterinnen eine neue Königin, indem sie ihre Larven besonders füttern. Dann hat man aus einem Volk zwei Völker gemacht und so kann man die Völker immer wieder vervielfachen. So hab ich im Moment fünf Völker, aber eigentlich möchte ich immer vier Völker haben, was mir komplett reicht, damit es nicht zu viel Arbeit wird.  

Man kann auch nur eine Königin kaufen. Die hängt man zu Brutwaben und Arbeiterinnen und dann dauert es ein oder zwei Tage, bis sie aus ihrem Käfig herauskommt und vom Volk angenommen ist und so hat man wieder ein neues Volk. Die Königin fängt sofort an, Eier zu legen und dann ist es gar kein Problem. Königen werden auch per Post versandt, wenn man das möchte. Man bekommt dann einen kleinen Briefumschlag aus fester Pappe zugeschickt, der ein paar Luftlöcher hat und die Königin selber ist in einem kleinen Plastikkäfig zusammen mit ihrem Hofstaat, also fünf bis sechs Arbeiterinnen, und einen Zuckerpfropf und dann kann man diesen Käfig einfach zu dem Volk hängen. Wenn dieses den Zucker aufgegessen hat, kann die Königin aus dem Käfig heraus.” 

GreenLionz: „Unglaublich!” 

Frau Krüsemann: „Ja, diese Ordnung ist einfach unglaublich und das finde ich an meinem Hobby so spannend. Ich lerne auch immer noch jedes Jahr etwas Neues dazu.” 

Wer selbst Interesse hat, sich als Imker oder Imkerin auszuprobieren oder sich mit Bienen zu beschäftigen und darüber zu lernen, kann sich gerne bei Frau Krüsemann melden, damit eine Imker-AG zu Stande kommt.

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