Nachgefragt – Lehrer im Interview: Warum Herr Galon es bereut, sein erstes Auto verkauft zu haben

Von Milena Stange

Passend zum Beginn des Jahres startet für uns die neue Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“.  Jeden Monat könnt ihr auf unserer Seite ein neues Interview lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

Seit 2015 ist Herr Galon nun an unserer Schule. Viele kennen ihn aus Musik, Religion oder Latein, vor allem aber aus dem Philosophie-Unterricht. Wen also kann man besser über das Leben ausfragen, als einen waschechten Philosophen?

 

Wenn Sie Ihr Leben in Kindheit, Jugend und Erwachsensein einteilen, welcher Zeitraum hat Ihnen am besten gefallen?

Das Erwachsensein, weil ich ein furchtbares Kind und ein furchtbarer Jugendlicher war.

 

Und wenn Sie das nicht gewesen wären?

Auch dann würde mir das Erwachsensein am besten gefallen. Jetzt verstehe ich viele Dinge, die ich damals nicht verstanden habe, weshalb ich das Leben viel besser kann.

 

Würden Sie etwas an Ihrer Vergangenheit ändern, wenn es die Möglichkeit gäbe?

 Ja. Ich hätte niemals mein erstes Auto weggegeben.

 

Wieso nicht?

Alle Handlungen in der Vergangenheit haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin, doch der Verkauf meines ersten Autos hat mich nicht weitergebracht. Ich mit meinem Auto wäre mehr als ich ohne mein Auto. Das ist die einzige Sache, die ich an meiner Vergangenheit wirklich ändern würde. Ein Tipp von mir: Verkauft niemals euer erstes Auto. Stellt es in eine Scheune oder irgendwo anders hin, aber verkauft es nicht.

 

Hätten Sie die Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen, würden Sie sie nutzen?

 Nein. Das würde mir sehr viel Spaß nehmen. Wenn ich jetzt sehen würde, was in Zukunft passiert, würde das mein gegenwärtiges Handeln in einer Weise beeinflussen, die ich nicht will. In der Zukunft festzustellen, ein Ziel nicht erreicht zu haben, würde mich in der Gegenwart total fertig machen. Das Erreichen von Zielen ist für mich persönlich nicht so wichtig wie der Weg dahin. Alles was ich mache, tue ich nicht, um ein Ziel zu erreichen, sondern um es zu tun. Wenn ich nicht in die Zukunft schauen würde und in dreißig Jahren feststellen würde, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe, könnte ich immer noch stolz darauf sein, es versucht zu haben. Wüsste ich schon vorher, dass es nicht funktioniert, würde ich es nicht wirklich versuchen. Es geht nicht darum, etwas zu schaffen. Es geht darum, etwas wirklich zu versuchen.

 

Wenn es ein Buch gäbe, in dem die Lösungen zu all Ihren Problemen stehen, würden Sie es lesen?

Nein, das wäre langweilig. Man muss Probleme haben, damit man sie selbst lösen kann. Wenn ich ein Buch für mich Probleme lösen lasse, habe ich keine Chance mehr, daran zu wachsen. Ich finde, dass dieses Wachsen an Problemen das menschliche Leben ausmacht. Gerade die Arbeit, das ist so ein bisschen wie dieses ,,Der Weg ist das Ziel.“, obwohl das total schmalzig klingt, ist das, worauf man im Endeffekt stolz sein kann und das einen glücklich macht, wenn man etwas geschafft hat.

 

Würden Sie denn etwas anders machen, wenn Sie das Leben wären?

Vieles. Ich würde niemanden so extrem leiden lassen. Ein bisschen Leid braucht man manchmal, um daraus zu lernen, aber Dinge wie Krebs zum Beispiel, die würde ich eliminieren. Ich würde mir einfach mehr Glück für mehr Menschen wünschen.

 

Wenn das Leben ein Mensch wäre, in welcher Beziehung stünden Sie zu ihm?

Wir wären ziemlich gute Kumpel. Manchmal würde ich mich fragen, warum er sich so verhält, wie er es tut. Doch hinterher würde er es mir erklären und ich würde feststellen, dass er mit allem, was er getan hat, Recht hatte.

 

Was sollte ich in einer Biografie über Sie auf keinen Fall vergessen?

Entweder die Entscheidung, ein besseres Leben zu führen, oder die Entscheidung, Vegetarier zu sein. Das sind Dinge, auf die ich stolz und über die ich glücklich bin.

Welche ist eine wichtige Lektion, die Sie das Leben gelehrt hat?

Es ist alles nicht einmal halb so ernst, wie man glaubt.

 

Was ist für Sie der Sinn des Lebens?

Lieben.

 

Haben Sie eine abschließende Lebensweisheit, die Sie an die Schüler weitergeben wollen?

Macht euch eure eigenen Weisheiten.

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