Inklusion: Spannende Herausforderung oder Kampf gegen Windmühlen?

Schüler und Lehrer arbeiten zusammen, um gemeinsames Lernen zielorientiert zu verwirklichen

Von Laura Bergmann und Georgios Charalampidis

„Wieso bist du ein Inklusionskind? Ich bin auch nicht gut in Rechtschreibung!“, sagt eine Schülerin der Klasse 8. 

Seit 2013 nimmt unsere Schule nun schon Inklusionskinder auf, Kinder, die ein wenig mehr Hilfe benötigen als andere. Vor ein paar Jahren wurde per Gesetz das gemeinsame Lernen an Regelschulen eingeführt. Ziel ist dabei, dass kein Kind eine Benachteiligung erleiden muss. Somit hatten die Eltern die freie Wahl, ob sie ihre Kinder an einer Förderschule oder einer Regelschule anmelden. Nach zehn Jahren endet die Pflichtschulzeit der Inklusionsschüler, denn das Abitur zu machen, ist für sie nicht möglich. 

,,Die damalige Schulleitung beauftragte mich zusammen mit Frau Berkemeier, dieses neue Vorhaben praktisch vorzubereiten“, so Frau Neuhaus. Also machten die beiden erst einmal unzählige Fortbildungen und schauten sich Schulen in der Umgebung an, die das gemeinsame Lernen schon praktizierten. Dabei wurde überlegt, was wie mit welchen Mitteln gefördert und angeschafft werden könnte. Frau Berkemeier (Klassenlehrerin der 5c) sowie Frau Neuhaus erstellten Konzepte des gemeinsamen Lernens.  

Als 2013 die ersten Förderkinder an die Schule kamen, wurde die Sonderpädagogin Frau Ströter eingestellt, die zurzeit ein freies Jahr macht und erst zu Beginn des neuen Schuljahres an die Schule zurückkehren wird. Daraufhin wurde überlegt, wie man die fehlende Stelle ersetzen könnte. ,,Gemeinsam versuchten wir das Konzept ,,Learning by doing zu entwickeln. Dies hat zum Ziel, das parallele Unterrichten von Regel- und Förderschülern zu ermöglichen“, fügte Frau Neuhaus hinzu. 

Oberstufenschüler als Inklusionshelfer

Einige Lehrer schlossen sich zusammen, um dieses Projekt auf ein neues Level zu bringen. Dabei hatte Frau Neuhaus, damals als SV-Lehrerin, die Idee, Schüler aus der Oberstufe als Inklusionshelfer im Unterricht einzusetzen. Diese haben die Aufgabe, den Inklusionskindern Mut zu machen, ihnen bei Aufgaben zu helfen und auf sie Acht zu geben. Viele der Helferinnen und Helfer engagieren sich inzwischen in inklusiv arbeitenden Klassen und erfahren dabei Unterstützung durch den Fachlehrer.  

,,Auch haben wir nicht nur Kinder mit einer Lernbehinderung, sondern auch welche mit weiter greifenden Entwicklungsstörungen“, ergänzte Frau Neuhaus im Gespräch mit Greenlionz.  

Weil das Konzept der Inklusion nicht einfach zu bewerkstelligen ist, gibt es zahlreiche freiwillige Helfer. Schüler aus der Oberstufe und engagierte Lehrer arbeiten mit neuen Ideen stetig an einem entspannten Unterrichtsklima und der Zufriedenheit aller Schüler. Auch wenn der Weg dorthin steinig ist, kann man ihn mit viel Geduld und enger Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern überwinden; denn gerade diese Kooperation schweißt unsere Schule zusammen. 

Die Konzeptionen zum gemeinsamen Lernen werden stetig weiterentwickelt. Fakt ist jedoch, dass aktuell sonderpädagogisches Fachpersonal an unserer Schule fehlt. Häufig stehen die Fachlehrer allein im Unterricht und müssen die Inhalte – so gut es geht – differenziert aufbereiten. Die Vorbereitung sei extrem aufwendig, da die Inhalte in unterschiedlichen Anforderungsbereichen bereitgestellt werden müssen, verriet ein Lehrer im Gespräch mit unserer Redaktion. Ohne zusätzliche sonderpädagogische Fachkräfte sei ein kompetenzorientierter und qualitativer Unterricht kaum möglich. 

Die Motivation unserer Lehrer ist hoch. Dennoch fühlen sie sich im Stich gelassen. Denn zusätzliches Personal bleibt, zumindest vorerst, verwehrt.

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