China-Austausch: Hinter den Kulissen

Koordinator Marvin Wehrmann: „Ich mache das gerne für euch!“

Von Laura Bergmann

 

Marvin WehrmannDer China-Austausch liegt rund drei Wochen zurück. Alles hat geklappt. Alle waren zufrieden. Top, abgehakt, weitermachen! Doch wer sorgt eigentlich dafür, dass alles so reibungslos klappt? Woher kommen die Flugtickets, Visa und das Gefühl, dass hier gar nichts schief laufen kann? Wir haben Herrn Wehrmann, dem Koordinator des Austauschprogramms, Fragen zur Organisation der Reise gestellt, um einen Einblick in das, was hinter den Kulissen vor und während eines solchen Austausches stattfindet, zu erhaschen. Dinge, von denen man als Schüler normalerweise nichts mitbekommt.

Angefangen hat wohl alles im Oktober 2011, als sich Herr Witthüser in Hangzhou, China aufhielt. Dort fragte man ihn, ob er interessiert an einer Partnerschaft mit einer chinesischen Schule sei. So gewannen wir die Zhejiang Wuxing High School in Huzhou als Partnerschule für unser Gymnasium. Seit sieben Jahren findet nun schon ein jährlicher Schüleraustausch statt. Die erste Fahrt wurde dabei von Frau Trotier und Frau Spiekermann organisiert, wobei zuletzt Frau Orth und Herr Wehrmann mitfuhren.

Wie viel Zeit floss insgesamt in die Organisation der Reise ein?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Es ist jedenfalls eine Menge Arbeit, die in einem solchen Austausch steckt. Zwar muss ich als Koordinator des China-Austauschs eine Unterrichtsstunde weniger Unterrichten. Dem gegenüber steht aber nicht nur die Vorbereitung des Schüleraustauschs nach China, sondern auch die Vorbereitung und Organisation des Gegenbesuchs im Sommer. Wenn die Chinesen im Sommer zu uns kommen, dann müssen die chinesischen Lehrer und die Dolmetscherin den ganzen Tag beschäftigt werden, was wiederum eine Menge zusätzlicher Arbeit bedeutet

Wann haben Sie denn angefangen die Reise zu planen?

Ich habe im September angefangen alles vorzubereiten. Insgesamt gingen um die 80 Mails hin und her.

Haben Sie sich die Aufgaben untereinander aufgeteilt?

Manche Dinge bei einer solchen Organisation sind schwer aufzuteilen. So habe ich für den Austausch nach China die wesentlichen Dinge organisiert, wurde aber von Frau Orth immer unterstützt. Sie hat sich zum Beispiel um die Visaanträge gekümmert und nahm immer an dem Austausch der Mails teil. Der Gegenbesuch wird dafür jetzt von Frau Orth mehren teils organisiert.

Was muss denn für so einen Austausch alles organisiert werden?

Zunächst einmal muss der Termin des Austauschs erfragt werden. Hier gilt es auch zu kören,  mit wie vielen Schülern wir nach China reisen können. Dann findet ein erster allgemeiner Infoabend statt. Erst hiernach wissen wir, wie viele Schüler sich für den Austausch interessieren und dann auch angemeldet haben. Dann werden die Flüge gebucht,  Vorher muss eine größere Anzahlung getätigt werden. Dann werden die  Hotelzimmer gebucht (Einzel- oder Doppelzimmer) und der Reiseablauf der Rundreise abgesprochen. Dies alles muss immer wieder mit Elternbriefen und bei kurzen Infotreffen an die Schüler und Eltern kommuniziert werden. Schließlich muss ein offizieller Antrag, dass eine Schulgruppe nach China reisen darf,  gestellt werden, der wichtig für die Visa-Beantragung ist. Dies machen wir dann immer im Frühjahr. Dann werden die Reisepässe eingesammelt und nach Frankfurt geschickt. Eine Agentur kümmert sich dann darum, dass die Visa-Anträge beim Generalkonsulat der Volksrepublik China bestellt werden. Bevor es dann endlich losgehen kann muss noch geklärt werden, wann und wo wir uns alle treffen, was in die Koffer gehört und was nicht.

War es einfach, alle notwendigen Informationen zu bekommen?

Die Kommunikation läuft über die Deutsche China-Gesellschaft in Karlsruhe. Da alles über E-Mails geht, ist es manchmal schwierig, alle gewünschten Informationen zu erhalten oder auch weitergeleitet zu bekommen, wenn man sie braucht. Aber insgesamt ist das immer eine wirklich gut funktionierende Sache.

Was ist die größte Schwierigkeit bei der Organisation?

Das größte Hindernis ist es, die organisatorischen Schritte nach und nach abarbeiten zu können, also die Reihenfolge beizubehalten. Schließlich kann immer mal etwas passieren, sodass man nicht mehr so organisieren kann, wie man das geplant hat. Da spielen Absprachen zum Beispiel auch eine große Rolle. Wenn diese nicht eingehalten werden, dann kommt es in der Organisation auch zu Problemen.

Gibt es Dinge, die man im Voraus nicht planen kann und bei denen man einfach „ins kalte Wasser springen“ muss?

Bei solchen Reisen kann immer etwas Unerwartetes passieren. Es können Schüler krank werden, sowie Flüge ausfallen oder sich verspäten. Man geht in eine solche Reise schon ein bisschen ins Ungewisse, da immer Dinge passieren können, die man vorher nicht geplant hat.

Was muss bei einer solchen Reise immer beachtet werden?

Es müssen natürlich Regeln festgelegt werden, die auch einzuhalten sind. Zum Beispiel die Nachtruhe in den Hotels. Damit wollen wir auch niemanden ärgern, sondern einfach nur auf der sicheren Seite sein, dass es jedem gut geht und, dass er schläft. Denn die Reise ist anstrengend. Man sieht viel, bekommt viele Eindrücke, ist von morgens bis abends unterwegs. Dann ist man abends auch müde und braucht einwenig Erholung – auch damit die gemachten Eindrücke verarbeitet werden können. Genauso müssen die Schüler auf Regeln, die im Ausland gelten, aufmerksam gemacht werden, denn in China sollte man z.B. nicht ein Foto vom Militär machen, da dies Folgen haben könnte.

Wie stehen Sie mit den chinesischen Lehrern in Kontakt?

Tatsächlich eigentlich eher gar nicht. Frau Orth schreibt mal hier und da mit dem chinesischen Englisch-Lehrer Michael (MO) über QQ – eine Art Whats APp. Aber größten Teils läuft die Kommunikation über die deutsche China-Gesellschaft. Erst wenn wir wieder nach China fahren, bauen wir erneut Kontakt auf.

Wie verständigen Sie sich mit den Chinesen? Nur auf Englisch oder wird auch mal das ein oder andere Wort übersetzt?

Das meiste geschieht über die Dolmetscherin, die alles übersetzt. Da weiß man aber nie, ob auch das gesagt wird, was man selbst vorher gesagt hat. Natürlich sprechen wir auch auf Englisch mit den Chinesen, sofern sie Englisch können, wie zum Beispiel Michael. Und wenn die Kommunikation mit Worten scheitert, gehen wir auch zur Gestik und Mimik über, welche eigentlich so oder so immer ins Gespräch eingebunden werden. Das ein oder andere chinesische Wort hat man aber schon gelernt. Das sorgt dann immer für einige lustige Momente, wenn man versucht chinesisch zu sprechen.

Wie wurde das mit der Dolmetscherin und der Reiseführerin überhaupt organisiert?

Die Deutsche China-Gesellschaft hat uns die Dolmetscherin sowie die Reiseleitung vermittelt. Die Rundreise wurde auch von der Gesellschaft mit organisiert.

Musste bis jetzt jede Fahrt individuell geplant werden oder gibt es Gemeinsamkeiten mit den vorherigen Fahrten?

Also die Rundreise ist schon immer sehr ähnlich. Allerdings könnten wir die Stationen der Rundreise auch variieren. Dieses Jahr haben wir zunächst überlegt nach Xiam zu fahren, den Plan dann aber aufgrund einer weiteren Zugfahrt wieder verworfen. Das Programm kann aber, einmal festgelegt, vor Ort jeder Zeit noch angepasst und geändert werden. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel zunächst die Chinesische Mauer besucht und dann erst uns die Verbotene Stadt in Peking angesehen. Das Programm in der Schule ist schon immer etwas anderes, denn die Partnerschule versucht immer ein neues, interessantes Programm für uns zusammenzustellen.

War die Organisation sehr stressig oder eher entspannt?

Sie war nicht wirklich stressig, aber auch nicht entspannt. Ich würde sagen, Unterricht geben ist schon einfacher. Ich meine, man hat auch eine große Verantwortung zu tragen. Bei gut 1.500€, die die Reise kostet, kommen da schon einige 10.000€ zusammen. Das ist schon eine Menge!

Macht es Spaß alles zu organisieren?

Spaß auf jeden Fall! Ich mache es sehr gerne! Als Kind bin ich mit meiner Familie, meinen Eltern und meinem Großvater sehr viel auch schon in den asiatischen Raum, z.B. nach Hongkong, Singapur oder Bangkok gereist. Dort habe ich viel gesehen, viel gelernt und viele Erfahrungen gesammelt, die mir einen anderen Blick auf diese, unsere Welt gegeben haben. Das möchte ich auch euch ermöglichen. Ich finde es auch interessant, wie sich die Schüler außerhalb der Schule so geben, denn man kann mit ihnen über ganz andere Dinge reden, als wie, wenn man in der Schule ist. Allein deshalb organisiere ich diese Reise schon total gerne.

Was finden Sie persönlich besser: Dinge genau durchzuplanen oder manches einfach auf sich zukommen zu lassen?

Ich bin ein totaler Perfektionist! Ich muss alles vorher planen, auch wenn sich natürlich immer etwas spontan ändern kann, wie zum Beispiel bei der diesjährigen Reise. Da sollte die Abschiedsfeier in der Schule zu einer geplanten Zeit anfangen, welche dann spontan eher anfing, was nur zu noch mehr Irritationen, Durcheinander und Lampenfieber geführt hat. Denn die Veranstaltung findet auch vor gut 600 Leuten statt. Da bin ich dieses Jahr auch ein wenig wütend geworden. Wenn was nicht so funktioniert, wie ich mir das vorher vorgestellt habe, kann ich schon mal ungemütlich werden. *Herr Wehrmann muss über sich selbst lachen!*

Fanden Sie diese Reise eher anstrengend oder eher entspannend?

Ich fand sie nicht wirklich anstrengend im negativen Sinne. Die Reise ist schon mental anstrengend, da man ständig unterwegs war und es auch wenige Erholungsphasen gibt. Man ist quasi 14-Tage von morgens bis abends unterwegs. Dennoch fand ich die Reise bereichernd, die mit einer so tollen Gruppe sehr viel Spaß gemacht hat. Und man merkt auf dieser, doch recht langen Reise in eine für uns doch sehr fremde Kultur – viele sprachen nicht umsonst von Kulturschock-Momenten – dass man als Gruppe hier zusammenwächst. Dann entsteht ein doch recht einmaliges Gruppengefühl.

Was ist Ihr persönliches Highlight der Reise?

Ganz klar die chinesische Mauer!!! Aber eben auch mit euch, einer tollen Gruppe herumzulaufen oder Späße zu machen – sowie die Zeitungsschlacht mit Kaja im Zug oder das Huckepackrennen im Olympia Park mit Louella auf dem Rücken gegen Niklas, der Frau Orth trug. Ich fand die Stimmung im Bus auch immer wieder beeindruckend, als das ein oder andere Lied angestimmt wurde. Witzig war auch die YMCA-Polonaise am Ausgang des Sommerpalastes in Peking. Schaut euch einfach mal die Bilder von Jan Heinrich oder das Video von Niklas Birkenhauer auf der Homepage der Schule unter „China-Austausch“ an. Das wird bald hochgeladen. Da bekommt man einen guten Eindruck von dem Ganzen. Oder lest den Block der mitgereisten Greenlionz hier deren Internetseite.

Würden Sie die Organisation wieder übernehmen, um wieder mit nach China zu reisen?

Das würde ich auf jeden Fall! Ich mache das gerne für euch.

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