Nachgefragt – Hausmeister im Interview

Vom Labor in die Schule: Wie Herr Kundt zu unserem Gymnasium gefunden hat

Von Milena Stange

Seit Beginn diesen Jahres gibt es nun die Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“.  Jeden Monat könnt ihr auf unserer Seite ein neues Interview lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

Doch diesmal geht es um eine ganz besondere Person: Wolfgang Kundt, seit bald zwanzig Jahren Hausmeister an unserer Schule. Wie er an diese Stelle gekommen ist, was er so über die Schüler- und die Lehrerschaft denkt und was er in den vielen Jahren bereits erlebt hat, erfahrt ihr in diesem Interview.

 

Wie kommt man überhaupt dazu, Hausmeister zu werden?

Das war natürlich nicht mein erster Gedanke. Ich bin gelernter Elektromaschinenbauer, habe auch eine Ausbildung zum physikalisch-technischen Assistenten gemacht und zehn Jahre lang bei Siemens im Labor gearbeitet. Die Abteilung wurde geschlossen und ich bin für mehrere Monate arbeitslos geworden. Durch einen Freund bin ich dann auf die Stelle an dieser Schule gekommen. Zuerst habe ich nur die Turnhalle gemacht, aber als dieser Beruf dann abgeschafft wurde und die Hausmeisterstelle hier frei wurde, habe ich diese übernommen. Es war also Zufall, dass ich jetzt hier sitze.

 

Was genau macht man als Hausmeister eigentlich?

Das ist sehr vielfältig. Ich führe kleinere Reparaturen durch, wenn ich aber merke, dass ich etwas nicht reparieren kann, weil es nicht mein Fachgebiet ist, sorge ich dafür, dass eine Firma hinzugezogen wird. Außerdem bin ich für die Reinigungskräfte zuständig, achte darauf, dass das organisatorisch alles passt und mache den Bürokram wie Urlaubsanträge und ähnliches. Für das Aufgeben von Bestellungen bin ich auch verantwortlich, Handwerker müssen eingewiesen werden, solche Dinge eben. Allgemein könnte man sagen, dass ich das alles im Blick behalten muss und gucken muss, dass der Laden hier läuft. Dafür habe ich meine Augen überall.

 

Was mögen Sie an Ihrem Beruf gerne und was eher nicht?

 Was ich gerne mag, überwiegt eindeutig. Es gibt sehr viel Unabhängigkeit, ich kann mir meinen Tag meist selbst einteilen und planen. Natürlich gibt es auch Dinge, die getan werden müssen, aber größtenteils liegt es in meiner Hand, was ich wann mache und wie ich es angehe. Was mich stört, sind zum Beispiel organisatorische Probleme, wenn etwas nicht funktioniert. Sei es von Seiten der Schüler oder auch der Lehrer, aber bei über achthundert Leuten hier im Haus ist es selbstverständlich, dass nicht immer alles glatt läuft.

 

Oftmals werden Hausmeister in Filmen oder Büchern als sehr streng dargestellt. Trifft das auf Sie zu? Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?

Das müssten die Schüler besser beurteilen können. Ich persönlich denke nicht, dass ich besonders streng bin, schließlich denke ich immer daran, dass ich auch mal in eurem Alter war. Da habe ich schon Verständnis für, oft schaue ich über Dinge hinweg, auch wenn mir das nicht immer gelingt.

 

Der Hausmeister aus Harry Potter, Mister Filch, sagt ab und zu, dass er die Schüler gerne an den Daumen im Keller aufhängen möchte. Verspüren Sie so ein Verlangen auch manchmal?

Nein, so krass würde ich das nicht sagen. Unsere Schüler hier sind relativ pflegeleicht. Ein paar schräge Vögel gibt es überall, aber das hält sich in Grenzen.

 

Wenn wir schon beim Keller sind: Was befindet sich eigentlich in diesen mysteriösen Räumlichkeiten?

Die Kellerräume sind etwa so groß wie das Gebäude selbst, logisch, da unten befinden sich Heizanlagen, Lüftungsanlagen, das Schularchiv mit den alten Schülerakten und Klassenbüchern, ein Wirtschaftsraum für das Reinigungspersonal mit Waschmaschine und so weiter. Dazu gibt es noch zwei Kriechkeller, die heißen so, weil sie sehr flach sind, da verlaufen Rohrleitungen. Das ist der Grund, warum Schülern kein Zutritt gewährt wird; das ist einfach zu riskant.

 

Sie nehmen ja Fundstücke an. Gab es dabei schon irgendwelche seltsamen Dinge, die gefunden wurden?

Nicht wirklich, eher ist es seltsam, dass so wenig nachgefragt wird, wenn irgendwas wegkommt. Wir haben jeden Monat einen Karton mit Fundstücken vom Regenschirm über Turnschuhe bis zu ganzen Sporttaschen oder Brotdosen, die irgendwann in den Keller wandern und dann später ans Rote Kreuz gespendet werden. Aber wenn das Handy verschwunden ist, dann stehen die Schüler zwei Minuten später mit Tränen in den Augen vor meiner Tür. Alles andere scheint nicht so wichtig zu sein. (Er lacht.)

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