Nachgefragt – Lehrer im Interview – Wehrmann

Behind the scenes: Lehrer in freier Wildbahn

Wehrmann

Wie trennt Herr Wehrmann Privates und Beruf voneinander? Wie ist er mit Frau Picht zusammengekommen und (die Frage, die sich wohl jeder einmal stellt) was findet er eigentlich so toll an seinem geliebten Motorsport?

 

Von Milena Stange

Seit Beginn diesen Jahres gibt es nun die Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“.  Jeden Monat könnt ihr auf unserer Seite ein neues Interview lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

Herr Wehrmann unterrichtet seit etwa drei Jahren Deutsch und Geschichte an unserer Schule. Er ist bekannt als anspruchsvoller, offener Lehrer, der einen Großteil seiner Freizeit mit Motorsport verbringt. Wir hätten wohl kaum jemand Besseren für ein Interview über die Trennung von Privatleben und Beruf, Ehefrau und Kollegin, Freizeit und Job finden können!

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie mal nichts mit Schule am Hut haben wollen?

Was ich sehr gerne mache, ist Motorsport gucken. Gerne nicht nur im Fernsehen, manchmal fahre ich mit meinem Vater oder Freunden auch zur Strecke, zum Beispiel zu 24-Stunden-Rennen, bei denen man sich dann für ein paar Nächte ein Hotelzimmer bucht und den Tag an der Strecke mit Grill verbringt. Fußball gucke ich aber auch, ab und zu im Stadion, aber meistens auch im Fernsehen. Sonst treffe ich mich mit Kollegen auf ein Bierchen oder spiele mit einer Freundesgruppe Gesellschaftsspiele. Oder verbringe natürlich die Zeit mit meiner Frau, liege auf der Couch, lese…

 

Haben Sie ein Hobby, dem Sie regelmäßig nachgehen?

Ich fahre gerne Fahrrad. Das ist kein richtiges Rennrad, aber schon eins, mit dem man schneller fahren kann. Früher bin ich auch Kart gefahren, aber das wurde irgendwann einfach zu teuer, ohne Sponsoren kommt man da leider nicht weit. Momentan komme ich nicht mehr dazu, aber einmal im Jahr leihe ich mir einen Porsche. Vielleicht kaufe ich mir auch mal irgendwann einen als Sonntagsauto.

 

Viele wissen von Ihrer Leidenschaft, dem Motorsport. Wie sind Sie dazugekommen und was genau fasziniert Sie an diesem Sport eigentlich?

Mein Vater hat sich schon immer für den Motorsport interessiert. Da bin ich dann einfach herein gewachsen. Von Anfang an war ich Schumacher-Fan, weil ich angefangen habe Motorsport zu gucken, als seine Ära begonnen hat. Sogar mein Schulrucksack in der Grundschule war mit Autos bedruckt.

Faszinierend finde ich vor allem die Perfektion, auf die die Fahrer bei den Rennen achten müssen. Ich bin selbst ein ziemlicher Perfektionist. Aber auch die Geräusche an der Strecke und – das klingt etwas komisch – der Geruch, diese Mischung aus Reifen, Benzin und Qualm, die Schnelligkeit, die Gefahr, das alles ist sehr interessant.

 

Einmal weg von den Hobbys; Lehrer sind nicht einfach nur Lehrer, dahinter stecken ja auch Menschen. Ist das für Sie eine Art Doppelleben, bei dem Sie privat und in der Schule zwei verschiedene Persönlichkeiten besitzen?

Als ich in der Schule war, haben die Lehrer da sehr klar unterschieden. Mir war das immer etwas unsympathisch, dass sie dadurch nicht nur zu respektierende Amtspersonen waren, sondern direkt über die Schüler gestellt wurden, deshalb wollte ich das anders machen. Natürlich möchte ich respektiert werden, aber ich wollte immer eine offenere Person sein. Manche Dinge sind zwar privat, fragen darf man aber immer. Ich bin allerdings froh, dass ich nicht hier in Hohenlimburg wohne, wenn ich mir vorstelle, dass ich bei Edeka noch mal eben ein Elterngespräch führen müsste. Trotzdem bin ich ganz offen, denn ich möchte den Schülern zeigen, dass es nicht nur den Lehrer da vorne gibt, der Anweisungen und Aufgaben erteilt, sondern dass auch ein völlig normaler Mensch dahinter steckt.

 

Können Kollegen Ihrer Meinung nach auch Freunde sein, oder ziehen Sie klare Grenzen zwischen beruflichem Kontakt und privatem?

Ich suche mir bewusst aus, welche Kollegen ich in mein Privatleben lasse und welche nicht. Trotzdem habe ich Leute im Kollegium, die ich als meine Freunde bezeichnen würde. Bei der Zusammenarbeit in der Schule weiß man dann, dass man sich auf die Leute verlassen kann, eben noch etwas mehr als bei normalen Kollegen. Da übernimmt man auch eher mal eine Aufsicht und verbringt die Pausen zusammen. In der Freizeit redet man dann ab und zu auch über die Schule beziehungsweise Schüler und lernt andere Sichtweisen kennen. Irgendwann reicht das aber auch und man wechselt das Thema, es ist also nicht alles, worüber man so spricht.

 

Sie haben Ihre Frau durch unser Gymnasium kennengelernt. Wie war es, als sie auch noch hier an der Schule war? Ist es nervig, sich sogar bei der Arbeit zu sehen? Wie haben Schüler und Kollegen reagiert? Wie sind Sie überhaupt zusammengekommen?

Das war ganz lustig. Anfangs, als da soweit nur die Schulleitung von wusste, haben mal zwei Kolleginnen gesehen, wie wir uns im Lehrerzimmer kurz geküsst haben, danach lag ein Zettel mit ,,M+M“ und einem Herz auf dem Tisch. Ich habe später auch meiner Klasse Bescheid gegeben, da gab es erst mal Applaus und Gegröle, und dann ist das alles durchgesickert.

Wir hatten aber nicht viele Berührungspunkte, da sie eigentlich immer in den Physikräumen war. Es war trotzdem ganz nett, sie auch in der Schule zu sehen und zusammen auf Klassenfahrten zu fahren, wobei man aber beachten muss, dass Privatleben und Beruf zu trennen sind.

Obwohl sie nicht mehr an der Schule ist, gibt es immer noch Gerüchte. Frau Picht war auch schon ein paar Mal schwanger. (Er schmunzelt.)

Zusammengekommen sind wir durch Frau Sievert und Frau Kretschmer, weil wir mal zu viert etwas für die Frankreich-Fahrt organisiert haben und man sich dadurch besser kennengelernt hat. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass wir uns mögen und haben uns mal so getroffen.

 

Hatten Sie am Anfang Angst, die Beziehung zu veröffentlichen?

Ja, vor allem vor der Beziehung selbst hatten wir ein bisschen Angst. Aber wir haben da viel drüber gesprochen und uns dann entschieden, die Risiken einzugehen, weil uns die Gefühle, die wir füreinander hatten, wichtiger waren.

 

Das Lehrerzimmer ist für uns Schüler ein Tabu-Ort. Also, erzählen Sie mal, was geht da so ab? Gibt es Gruppierungen, Gerüchte, Tratsch und Klatsch? Und warum ist es so dramatisch für manche, wenn Schüler den heiligen Boden dieses Raumes berühren?

Das liegt daran, dass überall sensible Daten herumliegen. Schülerdaten, Klausuren, Noten, so etwas eben, das dürfen die Schüler natürlich nicht sehen.

Oh ja, die Einhorn-Clique gibt es, aber da bin ich nicht drin! Da mache ich lieber die Bier-Gruppe auf. (Er lacht.)

Klatsch gibt es auch. Man redet mal über Schüler, was es so für Neuigkeiten und Beziehungen gibt, aber das würde ich nicht als Gerüchte bezeichnen, sondern hauptsächlich als Klatsch.