Nachgefragt – Lehrer im Interview-Rasche

Herr Rasche über Schüler und deren Eigenarten

Seit Beginn diesen Jahres gibt es nun die Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“.  Jeden Monat könnt ihr auf unserer Seite ein neues Interview lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

GreenlionzSeit fast einem Jahr ist Herr Rasche nun Lehrer für Deutsch und Pädagogik an unserer Schule. Doch fremd ist er nicht; in seiner Jugend war er selbst Schüler unseres Gymnasiums. Wie er sich damals verhalten hat, was er von uns Schülern eigentlich denkt und welche peinlichen Dinge ihm im Unterricht schon passiert sind, offenbart er in diesem Interview.

 

Schüler sind ja ein allseits bekanntes Mysterium. Wie fühlt es sich an, täglich unserer Spezies über den Weg zu laufen und mit ihr zu arbeiten?

Das Schöne ist, dass jeder Schüler individuell ist und so auch jeder Kurs oder jede Klasse. Man spürt direkt, wie man sich in einem Kurs fühlt, wenn man zum ersten Mal den Raum betritt. Im Verlauf eines Schuljahres lernt man die Schüler dann auch von vielen verschiedenen Seiten kennen, das ist sehr spannend. Ich bin noch nicht lange hier, weshalb die anderen Kollegen deutlich mehr zu diesem Thema erzählen könnten, aber es gab schon einige tolle Erlebnisse und interessante Gespräche, die ich mit Schülern geführt habe. Als Lehrer hat man jeden Tag etwas Neues, irgendwas passiert immer. Schüler sind immer für eine Überraschung gut. Häufig passieren Dinge, die völlig unvorhersehbar sind.

 

Wir sind alle sehr verschieden, doch bestimmte Verhaltensweisen zeigen wir alle. Was ist für Sie ,,typisch Schüler“?

Neugieriges Fragen. Manche dieser Fragen sind auch echt ein bisschen doof, wenn man zum Beispiel am Tag nach der Klassenarbeit in den Raum kommt und gefragt wird, ob man schon fertig korrigiert hat. Das ist eine von vielen klassische Frage. An dieser Schule ist mir aufgefallen, dass die Schüler, besonders die der Oberstufe, deutlich neugieriger sind als die, die ich an anderen Schulen hatte. Viele möchten auch private Dinge über die Lehrer erfahren. Das ist manchmal sehr spannend, aber ich beantworte nicht alles.

 

Dann nennen Sie mir doch mal ein paar Schülertypen, die Sie regelmäßig erleben.

Es gibt von allem immer etwas, gerade das macht es ja so interessant. Klassen und Kurse sind meistens sehr vielfältig, was auf der einen Seite große Hürden darstellen kann, auf der anderen aber auch einfach den Job als Lehrer ausmacht. Gäbe es diese bunte Mischung nicht, wäre es derbe langweilig.

 

Was war die beste Ausrede, die Sie jemals aufgetischt bekommen haben?

Ein Schüler hat mir mal erklärt, warum er nicht im Unterricht erschienen ist. Er sagte, dass er, als er morgens aus der Wohnung gegangen ist, vor der Treppe stehen bleiben musste, weil er plötzlich Angst vor Treppenstufen entwickelt hätte. Am nächsten Tag war er dann aber wieder in der Schule, da schien sich die Phobie dann wieder gelegt zu haben.

 

Erzählen Sie ein paar lustige Geschichten aus dem Unterricht.

Es gab einen ziemlich peinlichen Tag auf einer meiner alten Schulen. Ich habe versucht, mich rückwärts auf einen Stuhl zu setzen, um mich auf der Lehne abzustützen. Dabei ist meine Hose gerissen. Leider war der Riss so laut, dass ich das vor dem Kurs auch gar nicht mehr verbergen konnte, aber später habe ich dann einfach eine Jacke umgebunden und den Rest des Tages, würde ich behaupten, ganz souverän gemeistert. (Er lacht.)

 

Haben Sie schon mal Zeichnungen unter Klassenarbeiten und Klausuren gehabt, die die Note aufbessern sollten?

Das gibt es relativ häufig. Viele Schüler bedanken sich für den Glückwunsch unter der Klassenarbeit, das ist immer ganz niedlich. Letztens habe ich noch ein großes Einhorn gezeichnet bekommen, das mich bat, der Schülerin doch keine schlechte Note zu geben. Das habe ich auch abfotografiert, aber eine bessere Note konnte ich natürlich nicht geben. Trotzdem freue ich mich immer über solche kleinen Zeichnungen. Einmal hat mir eine Oberstufen-Schülerin ein Portrait von mir gegeben, das sie die ganze Stunde über gezeichnet hatte, da habe ich mich auch sehr drüber gefreut, obwohl ich mich bis heute frage, warum sie das Ganze wie eine Karikatur dargestellt hat. Aber so etwas zeigt auch immer, dass man irgendwie einen Draht zu seinen Schülern hat und ich bin da auch nie böse.

 

Sie waren ja auch mal einer von uns. Was für ein Schülertyp waren Sie? Haben Sie viel Mist gemacht?

Ein Streber war ich nicht, meine Noten waren immer durchschnittlich, bis auf Mathe, das war eine Katastrophe und ist es bis heute. Mist gemacht habe ich schon ab und zu, aber unhöflich oder respektlos war ich dabei nicht, so wie ich das wahrgenommen habe zumindest. Die Grundschule war aber deutlich schlimmer als das Gymnasium, weil hier ein anderer Wind wehte. Wir haben auch gerne Streiche gespielt. Einmal hatte ich in der neunten Klasse aufgrund einer Operation Krücken und habe die dann zur Verfügung gestellt, sodass die anderen damit die Tür versperren konnten. Unsere Lehrerin kam natürlich nicht rein und hat dann den Klassenlehrer geholt. Wir haben rechtzeitig die Krücke weggezogen und der Klassenlehrer konnte die Tür ganz normal öffnen. Er hat ganz streng gefragt, was denn los sei. Wir haben ihm erklärt, dass wir nur auf die Lehrerin gewartet haben. Es konnte nichts nachgewiesen werden und die Stunde war vorbei. Im Naturwissenschaftstrakt ist mal aus unerklärlichen Gründen ein Feuerlöscher hochgegangen. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber der Schreibtischstuhl war ziemlich schnell unterwegs. Im Winter haben wir mal einen Schneeball ins Lehrerzimmer geworfen. Da musste man ganz schön fix sein, wenn man nicht auffallen wollte.

 

Was war denn so ,,typisch Teenager-Herr Rasche“?

Das ist jetzt schon ein paar Jahre her…aber ich kann mich noch dran erinnern. Wir hatten damals noch keinen Nachmittags-Unterricht, weshalb ich immer nach der Schule nach Hause gefahren bin und direkt mit Freunden etwas unternommen habe. Mountainbike-Fahren haben wir wirklich bis zum Umfallen betrieben. Wir waren viel unterwegs, trotzdem konnte man sich auf uns verlassen. Man wusste immer, wo wir waren und was wir taten…meistens zumindest. Als wir in der Oberstufe waren, haben wir sehr viel unternommen und waren kaum zuhause. Das hat den Eltern nicht immer gepasst. Man hat Hagen, Dortmund und Umgebung unsicher gemacht und war um jede Minute froh, die man mit seinen Freunden verbringen konnte. Ich war also kein übermäßig wilder Teenager, wobei man sich gewisse Freiheiten genommen hat. Einiges wissen meine Eltern bis heute nicht und das kann auch ruhig so bleiben.

Gibt es noch etwas, was Sie uns gerne sagen möchten?

Ich fühle mich hier schweinewohl. Ich fahre unglaublich gerne morgens hierhin und freue mich auf viele weitere schöne Jahre. Wenn die Schüler nicht so wären, wie sie sind, würde ich nicht so gerne herkommen. Und das ist nun wirklich keine Phrase, denn im Vergleich zu früher ist hier extrem viel passiert. Ich liebe das Engagement an dieser Schule und wünschte, dass ich das als Schüler nur ansatzweise gehabt hätte. Schön, dass es euch gibt!