Nachgefragt – Lehrer im Interview

Zwischen Heimat und Reisen: Frau Pfeil und die Liebe zu Frankreich

von Milena Stange

Seit Beginn diesen Jahres gibt es nun die Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“.  Jeden Monat könnt ihr auf unserer Seite ein neues Interview lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

Französisch und Erdkunde – zwei Fächer, die wie für Frau Pfeil gemacht sind. Denn sie liebt es, zu reisen und die Welt zu sehen, sich mit anderen Ländern zu beschäftigen. So hat sie auch schon für eine lange Zeit in Frankreich gelebt, in einer anderen Kultur mit einer anderen Sprache. In diesem Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen, Erlebnissen und vielem mehr.

 

Sie haben ja eine Zeitlang in Frankreich gelebt. Erzählen Sie ein bisschen was darüber!

Mein erster Frankreich-Aufenthalt war direkt nach dem Abitur als Au-Pair in Nizza, dort war ich für acht Monate. Das habe ich gemacht, um richtig fließend Französisch sprechen zu können. Dann habe ich Französisch studiert, war dazu ein Jahr lang in Brüssel, und bevor ich ins Referendariat gegangen bin, hatte ich noch drei Monate lang nichts zu tun. Also habe ich mich entschlossen, in einem Ferienclub auf Korsika zu arbeiten. Auch da konnte ich noch mal richtig ordentlich Französisch tanken und ein bisschen Geld verdienen. Nach dem Referendariat bin ich direkt nach Bordeaux gegangen, wo ich zuerst eine Vertretungs-Stelle hatte und danach die Lehramtsbefähigung in Frankreich gemacht habe, sodass ich eine feste Stelle bekommen habe. Später habe ich mich nach Périgueux versetzen lassen, dort sechs Jahre gewohnt und gearbeitet. Nach dem Studium bin ich nach Frankreich gezogen, weil mein Freund Franzose war und kein Deutsch konnte.

 

Danach sind Sie aber wieder zurück nach Deutschland gekommen – warum?

Meine Kinder sollten dann in Frankreich in die Schule, mit drei Jahren. Das Schulsystem dort ist im Grunde nicht meins, was daran liegt, dass es so früh schon eine Schulpflicht gibt und die Kinder schon in so jungen Jahren bis sechzehn Uhr da bleiben müssen, das finde ich furchtbar, genau wie den Unterricht. Es funktioniert viel über Strafe, Gleichsetzung der Schüler, wenig Kreativität, das ist nicht meins. Mir war klar, dass meine Kinder in Deutschland noch in den Kindergarten konnten, sich austoben und Kinder sein durften, darum sollten sie in Deutschland eingeschult werden.

 

Gab es während einem dieser Austausche irgendwelche peinlichen Erlebnisse?

Ja. In meiner Au-Pair-Zeit war ich gerade ein oder zwei Tage lang in meiner Familie und die Mutter schickte mich zum Supermarkt, ich sollte bitte ,,persile“ kaufen. Persil war mir klar: Waschmittel. Bin dann los, habe das angeschleppt und die ganze Familie hat sich kaputt gelacht. Denn ,,persile“ heißt auf Französisch Petersilie. Das war mir unangenehm, aber es war lustig.

 

Welche Vorteile sehen Sie darin, für ein paar Monate oder sogar Jahre in einem anderen Land zu leben?

Ein Riesen-Vorteil ist, dass man die Sprache natürlich sehr gut spricht, ohne darüber nachdenken zu müssen. Das geht irre schnell und man verliert das auch nicht mehr. Außerdem wird man selbstständiger, weil man seine Eltern nicht mehr bei sich hat, die alles für einen abklären. Man muss sich ganz alleine um alles kümmern, neue Versicherungen abschließen und und und. Noch dazu kommt, dass man eine neue Kultur kennenlernt, mal ein bisschen über den Tellerrand guckt, aus der Region rauskommt. Das öffnet einen wahnsinnig.

 

Sehen Sie denn auch Nachteile?

Für mich persönlich ist der größte Nachteil, dass man seine Familie und sein komplettes Leben zurücklässt. Damals gab es ja auch noch keine Smartphones, deshalb war der Kontakt zu den Freunden nicht aufrecht zu erhalten. Nachher muss man sich alles wieder neu aufbauen. Natürlich ist man sich auch unsicher, fragt sich, ob man vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen ist, aber ich bin da der Typ, der sich durchbeißt. Man weiß, was man dafür aufgibt, es schwingt immer ein gewisses Unwohlsein mit, das kann man nie so richtig wegwischen.

 

Würden Sie noch mal für ein paar Monate nach Frankreich gehen?

Auf jeden Fall, würde ich sofort wieder machen. Jetzt bin natürlich durch meine Kinder und den Job begrenzt, aber wenn ich in Pension bin – das dauert natürlich noch! – werde ich einen Teil des Jahres nicht hier verbringen. Das muss nicht direkt das französische Festland sein, ich habe ja Guadeloupe für mich entdeckt, deshalb werde ich wahrscheinlich drei Monate des Jahres in der Karibik rumhängen.

 

Wenn jemand von uns Schülern ins Ausland geht, welchen Tipp würden Sie ihm geben?

Auf keinen Fall nach drei Tagen aufgeben! Das muss man durchhalten, es ist am Anfang nicht nur schön und einfach. Aber man wächst wahnsinnig, wird selbstständiger und erwachsener. Wenn man in andere Länder kommt, hat man eine völlig neue Perspektive auf das Leben.