Auf der Suche nach einer idealen Gesellschaft

Chemnitz-Ausschreitungen geben Grund zum Nachdenken

Ein Kommentar von Gwana Hasso


„Die Gesellschaft, sie ist wie Luft: Notwendig zum Atmen, aber nicht ausreichend, um davon zu leben.“ Das sagte der US-Amerikanische Philosoph und Schrifftsteller, der eigentlich aus Spanien kommt, George de Santayana. Und wie wir alle schon wissen: früher war das Leben nicht so einfach, wie man es heute kennt. In Deutschland ist es zumindest nicht mehr so. Aber heißt es denn, dass die Gesellschaft, in der wir heute leben, ideal ist? Ist alles perfekt, oder gibt es immernoch Kritikpunkte? Lebt jeder so, wie er schon immer leben wollte, oder gibt es trotzdem immernoch eine unreale Welt, oder eine ideale Gesellschaft, von der man nur träumen kann? Was Philosophen darüber denken, wissen wir mittler Weile. Aber was halten die Schüler und Lehrer
des Gymnasiums Hohenlimburg davon?

WAS IST ÜBERHAUPT „IDEAL“?

Um eine ideale Gesellschaft zu finden, muss man erst mal verstehen, was „ideal“ ist. Und wie Herr Sunderkamp uns in einem Interview schön erklären konnte: „Das Wort „ideal“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet sowas wie „Urbild“, wobei es sich dabei um etwas handelt, das man nur annährend erreichen kann. Mit dem Satz „Das ist ideal gelaufen“ möchte ich meinem Gesprächspartner eigentlich nur zwei Dinge sagen: erstens „Ich bin glücklich, weil es so gelaufen ist“ und zweitens „Es mag ja sein, dass andere das anders sehen, aber so wie ICH das sehe, gibt es keinen anderen Weg, wie das besser hätte laufen können.“  „Ideal“ bedeutet einfach „das Bestmögliche aus einer Sache rauszubringen“, wie unser Schülersprecher, Lennart Müller, ganz klar in einem Satz zusammenfasste. Oder auch wie ein Schüler der achten Stufe, Nick Cerni, ebenfalls in wenigen Worten zusammenfasste: „Einfach das Perfekte für alle.“ Für manche ist ideal aber auch nicht direkt perfekt. Wie uns die EF-Schülerin Milena Stange verriet: „Eine ideale Gesellschaft muss nicht perfekt sein. Sie muss nur so funktionieren, dass alle friedlich zusammenleben können!“ Oder nach der Meinung des Philosophielehrers Müller: „In einer idealen Gesellschaft muss nicht alles perfekt sein. Aber man sollte die Möglichkeiten zu Denkräumen haben, was z.B. die Literatur und Philosophie besonders auszeichnet. Also einfach die Chance, dass man über die normalen, realen Dingen, über die man im Alltag nachdenkt, einfach in einer anderen Sicht und Weise nachdenken kann, weil man da einfach einen günstigen Moment hat, um besser über die Dinge nachzudenken.“ Wie es aber zu dem Begriff der Idealität kommt, sagte uns Herr Wehrmann ebenfalls in einem Interview: „Es kommt zu dem Begriff der Idealität dadurch, dass das, was ich mir als ideal vorstelle, wahrscheinlich objektiv und von außen betrachtet, auch für andere ideal ist.“ Aber vielleicht muss man auch beim „Ideal“ auf manche Sachen achten, wie Frau Spiekermann uns verriet: „Was aber bei dem „Ideal“ auch ganz wichtig ist, ist, wenn man seine Freiheit leben möchte und sein ganzes Potential in sich entfalten möchte, dass man auch darauf achtet, wo die eigene Freiheit aufhört. Denn es ist ja klar, dass andere auch ihre Freiheiten leben möchten. Deswegen die Goldene Regel: Was du nicht willst, was man dir tut, das füge keinem anderen zu! “

EINIGE KRITIKPUNKTE UNSERER GESELLSCAHFT: „ IN DER RELIGIONSPHILOSOPHIE „RELATIVISMUS“…IHR SCHÜLER KENNT DAS UNTER DEM BEGRIFF „DUMMHEIT“

Jeder macht Fehler. Keiner ist perfekt! Das wissen wir doch alle, oder? Aber sollen wir das jetzt als Ausrede nehmen, nicht mehr an uns bzw. unsere Gesellschaft zu arbeiten? Denn das wäre auch schon ein Grund, warum wir bis jetzt immernoch noch nicht von einer idealen Gesellschaft reden können. Diese „Zörgerlichkeit der Menschen, etwas an ihrer Gesellschaft zu ändern“ nach der Meinung von Herrn Wehrmann „ist schon ein Kritikpunkt, denn wir Menschen sehen „alles Neue als Schlimm“ . Und an einem uns allen bekannten Beispiel verdeutlichte er unsere reale Denkweise: „Wir sehen das Neue immer als Schlimm. Wie zum Beispiel die Digitalisierung. Von uns Menschen wird sie immer als „böse“ angesehen. Ich sage auch immer, dass es früher Sachen gab, die besser waren. Das heißt aber lange nicht, dass man für Neues nicht offen sein sollte und es direkt vor dem Versuchen ablehnen sollte!“. Was aber auch ganz klar ein Problem ist, mit dem viele zu kämpfen haben: Geld. Der 13-jährige Nick Cwerni vertritt eine ganz eigene Meinung zum Thema Geld: „ Da Geld irgendwie alles mit Wert verbindet, wird sozusagen der Wert verteilt. Heißt aber nicht, dass es besser wäre, wenn alle gleich viel Geld hätten. Denn es gibt Menschen, die mehr Geld verdienen, weil sie damit einfach viel besser umgehen können, oder weil sie neue Sachen für die Menschheit erfinden. Aber es gibt leider immer wieder Menschen, die Ihr Geld auf gerade nicht so nötige Sachen verschwenden.“ Was aber Herrn Sunderkamp unglaublich auf die Nerven geht, sei dieser Relativismus. Ein Begriff der für uns Schüler unter „Dummheit“ zu verstehen sei. Damit meint er einfach, wie leicht sich manche Menschen von objektiven, dummen, politischen oder gesellschaftlichen Ideen beinflussen lassen würden, weil es Ihnen am Ende eigentlich egal sei. Denn es sei eben nicht egal, ob man z.B. für oder gegen die Todesstrafe sei…oder ob man Christ, Muslim, Jude, Hindu sei…oder ob man im schlimmsten Fall an die große, goldene Kokosnuss glaube! Außerdem meinte Herr Müller, die Menschen seien für jedes Problem zuständig. Denn mit mehr Bewusstsein könnten die Menschen vielleicht auch gewisse Probleme lösen, da sie diese ja selber verursacht hätten. Heißt also, die Menschen könnten das Problem, welches unser Schülersprecher erwähnte, den Egoismus, oder den von Frau Spiekermann als sehr schlimm emopfundenen Neid, selber lösen.

VORSTELLUNG EINER IDEALEN GESELLSCHAFT: „ WIR BRÄUCHTEN NICHT ZU ARBEITEN, UM LEBEN ZU KÖNNEN. ABER WIR HÄTTEN AUFGABEN, UM UNS WEITERZUENTWICKLEN.“

Da wir jetzt sehr viele Meinungen hörten, warum unsere Gesellschaft doch noch keine ideale Gesellschaft ist, können wir uns selber eine perfekte, kleine Welt kreieren. Wir haben uns einfach gefragt, wie es wäre, wenn man sich eine ideale Gesellschaft vorstellen würde. Und da gibt es einige sehr wichtige Sachen, auf die uns Lennart aufmerksam machte, die von uns in der realen Welt aber eher ignoriert wurden: „Ganz wichtig ist natürlich die Demokratie. Das würde ich sogar als am wichtigsten bezeichnen. Es muss auch einen Herrscher geben, der fair für alle entscheidet. Aber was von uns Menschen heutzutage nicht mehr gemacht wird, ist, dass wir nicht jeden Beruf richtig würdigen. Ohne Putzfrauen würde zum Beispiel einiges auch nicht laufen.“ Oder auch wie Frau Spiekermann sagte: „ Wir bräuchten nicht zu arbeiten, um leben zu können. Aber wir hätten Aufgaben, um uns weiterzuentwicklen.“ Wenn man aber Kreativität mit ein bisschen Philosophie mischt, kommt so etwas wie bei Herrn Wehrmann raus: „ Bunt, vielfältig, individuell, offen, kritikfähig und kritisierend. Aber auch eine Gesellschaft, die gemeinschaftlich daran arbeitet, dass es den Menschen gut geht. Und zwar nicht nur die Menschen, deren Dunstkreise wahrgenommen werden, sondern vielleicht die „gesamte Welt“ im Blick hat. Also auch andere, außer die, die man kennt, bedenkt. Wäre aber auch schon ein Anfang einer besseren Gesellschaft.“

Unsere Gesellschaft ist im Wandel. So stark wie lange nicht. Mitunter erzeugt dieser Wandel, dieser Prozess, Angstgefühle. Im Glauben an den Wert einer gesunden Gesellschaft sollten wir unsere Ideale stets vor Augen haben und dafür eintreten.

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