Nachgefragt – Lehrer im Interview

Frau Berding erzählt aus dem Leben mit zwei kleinen Kindern, hunderten von Schülern und einer Menge Action

Corinna BerdingVon Milena Stange

Seit Beginn diesen Jahres gibt es nun die Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“. Jeden Monat könnt ihr auf unserer Seite ein neues Interview lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

Egal ob Zuhause oder in der Schule; als Lehrerin und Mutter zweier Söhne ist der Alltag manchmal ganz schön anstrengend. Trotz 24-Stunden-Entertainment-Job bleibt Frau Berding, ambitionierte Biologie- und Kunstlehrerin an unserem Gymnasium, fit, geht joggen, kocht gemeinsam mit ihrem Mann oder tobt sich künstlerisch aus; genau wie Sohn Oscar, der gerne Garagenwände und Klausuren anmalt…

Wie sind Sie eigentlich aufgewachsen? In einer völlig normalen Familie oder in außergewöhnlichen Verhältnissen?

Ursprünglich komme ich aus Niedersachsen, da habe ich zusammen mit meinen Eltern und einer kleineren Schwester gelebt. Also ziemlich normal, fast schon ein bisschen langweilig; ich würde es als mittelständisch gut-bürgerlich beschreiben.

 

Jetzt springen wir mal etwas weiter – Sie haben ja mittlerweile einen Mann. Wo kam der denn her?

 Wir haben uns mit 17 Jahren auf einer Jugendfreizeit kennengelernt, er hat auch in einem benachbarten Ort gewohnt. Als er zum Studium nach Dortmund gegangen ist und ich nach Essen, konnten wir das glücklicherweise über die Zeit so halten, obwohl jeder seine eigene Wohnung hatte. Ich hatte tatsächlich auch keine andere richtige Beziehung vorher.

 

Und dann haben Sie mit Ihrem ersten richtigen Freund auch eine gemeinsame Familie gegründet?

 Genau. 2012 haben wir geheiratet und etwas später, als ich etwa 28 war, haben wir dann angefangen, über Kinder nachzudenken. Vorher war das nie so ein großes Thema für mich, ich habe mich lange zu jung dazu gefühlt, wollte erst mal mich selbst und die Welt richtig kennenlernen, obwohl ich schon immer Kinder haben wollte. Richtung 28 hat sich dann irgendwie dieser Sinneswandel ergeben und danach ging alles relativ schnell, sodass ich mit 31  meinen ersten Sohn Eric bekommen habe.

 

Wie sind Sie auf die Namen gekommen, haben die eine besondere Bedeutung?

 Ich wollte gerne kurze, prägnante Namen haben, mit denen ich nicht so viel assoziiere. Eric und Oscar haben uns einfach gut gefallen und da hatte ich auch nicht direkt irgendwelche Schüler im Kopf.

 

Ist da denn noch etwas in Planung?

Nein! (lacht) Wir sind total ausgelastet, vor allem dadurch, dass der Rest unserer Familie so weit weg wohnt.

 

Wie fühlt es sich eigentlich an, Mutter zu sein?

Mama zu sein ist total schön. Man ist unersetzbar, im Beruf kann jeder deinen Job übernehmen, aber als Mama bist du als Person wichtig, das erfüllt einen sehr.

 

Haben Sie vorher viel über die Erziehung nachgedacht?

Nein, wir machen ,,learning by doing“. Es ist nicht so, dass wir uns am Anfang Regeln gesetzt hätten, das ist eher spontan und ab und zu machen wir kleine Krisensitzungen, um zu überlegen, wie wir was machen wollen, wie das Familienleben gestaltet werden soll, ob wir etwas verändern möchten,…

 

Haben die Kids schon mal so richtigen Quatsch gemacht?

Ja, Oscar hat vor ein paar Tagen die Garagenwände gestaltet. Er hat sich Stifte aus einem Bastelwagen geschnappt und in einem ungesehenen Moment riesige Kunstwerke in einer Ecke hinterlassen. Ich bin so froh, dass es nur die Garage war! Er hat aber auch schon mal auf eine der Klausuren, die Zuhause rumlagen, gekrackelt. Oscar malt halt gerne.

 

Da kommt er ja ganz nach der Mama. Wem sind die zwei denn ähnlicher,  Mama oder Papa?

Die sind ein guter Mix. Vom Verhalten kommen sie etwas mehr nach mir, beide sind ziemlich ungeduldig und willensstark. (lacht) Aktiv sind sie auch, das ist natürlich sehr kraftraubend, gleichzeitig aber auch unglaublich schön.

 

Wie lässt sich etwas so aufwendiges mit dem Berufsalltag vereinbaren?

Das ist manchmal richtig schwer. Glücklicherweise haben wir eine Kita, die 45 Stunden abdeckt, da Oma und Opa so weit weg wohnen, ist das trotzdem oft kompliziert. Aber: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich bin froh, dass ich momentan vorrangig in der Oberstufe eingesetzt werde, denn das ist für mich eine gute Abwechselung zu dem Trubel mit den Kleinen Zuhause.

 

Wenn Sie bei all dem Trubel auch mal Zeit für sich haben, was machen Sie dann?

Ich treibe gerne Sport, gehe ins Fitnessstudio oder joggen, koche und esse zusammen mit meinem Mann/Freunden oder werde künstlerisch tätig, das mag ich besonders jetzt in der Weihnachtszeit. Ab und zu mal ein gutes Buch lesen abends, einfach runter kommen und entspannen.

 

Trotzdem lohnt sich ja auch der Aufwand. Was ist Ihrer Meinung nach das Schönste daran, eine Familie zu haben?

Dass man sich mit Personen umgibt, die einen bedingungslos lieben und die man selbst auch bedingungslos liebt, von denen man fraglos Unterstützung bekommt, das ist wunderschön.