Nachgefragt – Lehrer im Interview

Herr Jülich, Lehrer für Erdkunde und Geschichte, spricht über Nachhaltigkeit, die Zukunft und einen möglichen Weltuntergang

Von Milena Stange

Erdkunde-Lehrer und Leiter der Umwelt-AG, Herr JülichSeit Beginn letzten Jahres gibt es nun schon die Interview-Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“. Auch 2019 könnt ihr jeden Monat ein neues Interview auf unserer Seite lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

 

Als Erdkunde-Lehrer und Leiter der Umwelt-AG ist Herr Jülich mit Sicherheit ein guter Ansprechpartner zum Thema Nachhaltigkeit. Worum es dabei überhaupt geht, was er persönlich zu einem umweltfreundlicheren Miteinander beiträgt und vor allem was wir als Einzelne ebenfalls dafür tun können, erklärt er im ersten Interview des neuen Jahres.

 

Was genau ist denn Nachhaltigkeit und warum ist das so ein wichtiges Thema?

Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir durch die Art und Weise wie wir unser Leben gestalten versuchen, die Lebensgrundlagen, die wir heute haben, auch für die Zukunft zu erhalten. Dazu sollten wir nicht zu verschwenderisch mit den Ressourcen umgehen – Ressourcen sind die Dinge, die wir der Erde sozusagen ,,klauen“, weil wir sie für die Gestaltung unseres Lebens brauchen (zum Beispiel Wasser)  – und die Umwelt nicht  zerstören. Wenn wir beispielsweise zu intensiv Landwirtschaft betreiben, haben wir heute vielleicht genug zu essen, doch wenn dadurch der Boden zerstört wird, ist eine ausreichende Versorgung der Menschheit in Zukunft nicht mehr möglich.  Da die Weltbevölkerung zunehmend wächst, die Ressourcen aber begrenzt sind, ist Nachhaltigkeit unfassbar wichtig, um der Menschheit eine gute Zukunft zu ermöglichen.

 

Ein sehr großes Problem für die Umwelt ist ja auch der Klimawandel. Was macht der eigentlich mit unserem Planeten?

Der Klimawandel entsteht durch Treibhausgase, beispielsweise CO2, aber auch Methan oder Lachgas, die freigesetzt werden und – vereinfacht ausgedrückt – dafür sorgen, dass mehr Sonnenstrahlen in der Atmosphäre hängen bleiben, was diese natürlich erhitzt.

 

Aber Wärme ist doch prinzipiell schön, wo liegt das Problem?

Es wird natürlich überall etwas wärmer, es verändert sich aber auch der Wasserhaushalt, Wetterextreme (zum Beispiel Starkregen, Hurrikans) nehmen zu, Dürren fallen heftiger aus. Man muss auch dazu sagen, dass es natürlich Regionen gibt, die durch den Klimawandel fruchtbarer werden, aber in anderen Teilen der Erde verschwinden gleichzeitig die Lebensgrundlagen. Durch das schmelzende Eis steigt der Meeresspiegel, wodurch wiederum Land verloren geht, Land, in dem Menschen leben. Würde der Mensch nicht so massiv Küstensicherung betreiben, gäbe es die Niederlande heute schon nicht mehr.

 

Das klingt sehr, als ob wir etwas gegen den Klimawandel tun sollten. Achten Sie in Ihrem Privatleben darauf, der Umwelt nicht zu schaden? 

Ich muss ehrlich sein: Ich könnte sicherlich mehr tun. Jeden Tag fahre ich mit dem Auto hier hin, das ist eine relativ große Strecke, auch wenn ich denke, dass ich ziemlich sparsam fahre, indem ich mir selbst ein Tempolimit setze und nicht so beschleunige, dass mein Motor alle Ohren in der Umgebung wegsprengt. Weniger Verbrauch heißt weniger Verbrennung und weniger Verbrennung heißt weniger CO2. Ein netter Nebeneffekt dabei ist, dass ich auch weniger Kosten habe.

 

Und worauf achten Sie, abgesehen vom sparsamen Autofahren, noch?

Es kommt auch darauf an, was man einkauft. Die Produkte, die wir kaufen, haben alle einen ökologischen Fußabdruck, das heißt, dass zur Herstellung, besonders aber für den Transport, Ressourcen verbraucht und der Klimawandel angeregt wurden. Deshalb ist es sinnvoll, regionale Lebensmittel zu kaufen, weil die natürlich einen kürzeren Weg hinter sich haben und dementsprechend weniger umweltschädlich sind. Das gilt natürlich auch für Bestellungen bei Amazon. Ich halte es prinzipiell nicht für verwerflich, etwas im Internet zu bestellen, das Problem ist allerdings, dass viele Leute sich fünf Paar Schuhe zuliefern lassen, obwohl sie von Anfang an wissen, dass sie vier davon wieder zurückschicken werden.

Aber auch die Energie, die man im Haushalt verbraucht, spielt eine tragende Rolle. Da achte ich relativ stark drauf, unter anderem indem ich alte Elektrogeräte, die einen hohen Energieverbrauch haben, meide.

 

Seit Neuestem haben wir ja die Umwelt-AG. Was macht diese Gruppe, um auch die Schule etwas nachhaltiger zu gestalten?

Wir sind eine sehr kleine Gruppe, derzeit bestehend aus Frau Queitsch und mir mit fünf Schülern. Wichtig ist uns vor allem die Sauberkeit in der Schule und unserem Wohnumfeld. Deshalb sind wir gerade dabei, alle Klassenräume mit Besen und Handfegern auszustatten. Das klingt erst einmal nicht wirklich nach etwas, das zur Nachhaltigkeit beiträgt, aber wenn wir hier ein Bewusstsein in den Köpfen der Schüler zu erschaffen, sodass sie mehr darauf achten, nichts liegen zu lassen und sparsamer mit Ressourcen umzugehen, hilft das, die Wegwerfgesellschaft ein wenig auszubremsen. Es ist nicht nachhaltig, wenn man beispielsweise Metall oder Plastik in der Natur herumliegen lässt, denn das schadet Pflanzen und Tieren. Vor allem Plastik ist ein großes Problem, da es zur Verschmutzung des Wassers beiträgt und schädlich für die darin lebenden Tiere ist. Bei Tieren gilt also das Gleiche wie beim Menschen: Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Lebensgrundlagen so gut wie möglich erhalten werden.

 

Das klingt alles sehr problematisch. Was denken Sie, wann wird die Welt untergehen?

Den momentanen Prognosen zufolge wird die größte Anzahl an Menschen – die kann bei 10, 12 oder auch 15 Milliarden liegen – in der Mitte des 21. Jahrhunderts leben. Zu diesem Zeitpunkt muss sichergestellt sein, dass all diese Menschen auch versorgt sind. Sollte das nicht der Fall sein, drohen Kriege um Ressourcen.

Ein anderes Problem ist die Umweltverschmutzung: Irgendwann wird die Atmosphäre aufgrund der Luftverschmutzung sehr ungesund für den Menschen sein. Auch das sollten wir vermeiden.

Ich glaube allerdings nicht, dass die Menschheit untergeht, wenn wir diese Probleme in den nächsten Jahrzehnten in den Griff bekommen. Solche Prognosen sind immer mit Vorsicht zu genießen. Ich persönlich bin der Meinung, dass man einerseits offensichtliche Probleme angehen sollte, andererseits aber auch ein bisschen optimistisch sein darf.

 

Wir müssen also aktiv werden. Was können Sie den Schülerinnen und Schülern dazu empfehlen?

Energiesparen, auf den Konsum achten und darüber nachdenken, welche Teile des eigenen Lebens man nachhaltig gestalten kann. Man sollte sich ab und zu fragen, was wirklich nötig ist. Es schadet auch niemandem, einfach mal ein Stück zu Fuß zu gehen.

 

Möchten Sie noch eine tiefgründige Message in die Welt setzen?

Ich habe in Köln studiert, da sagt man:,,Es hat noch immer jut jejangen.“