USA-Austausch: Hinter den Kulissen

Patrick Neuhaus gibt Einblicke in die Organisation des Amerika-Austauschs

Von Laura Bergmann und Gwana Hasso

Der Amerika-Austausch liegt rund 13 Wochen zurück. Alles hat geklappt und jeder war zufrieden. Top, abgehakt, weitermachen! Doch wer sorgt dafür, dass alles ohne Komplikationen funktioniert? Woher kommen die Flugtickets, Visa und die Wahrnehmung, dass überhaupt nichts schieflaufen kann? Wir haben Herrn Neuhaus, dem Koordinator des Amerika-Austauschprogramms, Fragen zur Organisation der Reise gestellt, um einen Einblick in das, was hinter den Kulissen vor und während einer solchen Reise stattfindet, zu erlangen. Dinge, von denen man als Schüler theoretisch nichts mitbekommt.

Angefangen hat wohl alles vor ca. sechs oder sieben Jahren, denn dort entstand die Idee, einen Amerika-Austausch zu organisieren. Dies war damals schon eine Idee, die Frau und Herr Neuhaus dem ehemaligen Schulleiter, Herrn Witthüser, vorgetragen haben. Jedoch ergab sich dort das Problem, dass die Schule zu dem Zeitpunkt auch gerade mit dem China-Austausch angefangen hat. Herr Witthüser meinte damals wohl: „Wir haben jetzt gerade einen neuen Austausch in diese Richtung, weshalb Amerika zusätzlich doch ein bisschen viel wäre!“ Ursprünglich gab es auch mal den Plan, Kalifornien als Reiseziel für den Amerika-Austausch zu setzen, doch dies funktionierte nicht, weshalb dieser Plan erst einmal wieder begraben werden musste. Somit konnte die Idee von diesem Austausch nie wirklich umgesetzt werden, wobei die Idee praktisch seit vorletztem Jahr wieder ins Leben gerufen wurde. Erneut wurde der Schulleitung dieser Austausch vorgetragen, wobei diese mit hoher Bereitschaft reagierte, sodass man wieder alles aufnehmen konnte.

Würden Sie denn nach ca. sechs/sieben Jahren Kalifornien erneut als Reiseziel setzen?
Daher, dass wir diesen Austausch jetzt zum ersten Mal gemacht haben, wäre es nicht so gut, dort wieder auszusteigen. Schließlich haben wir jetzt natürlich auch persönliche Kontakte zu den Lehrern in Chicago, die auf amerikanischer Seite mitgeholfen haben alles zu organisieren. Daher, dass diese eben sehr, sehr nett sind, haben wir auch schon fast über diese anderthalb, zwei Jahre Freundschaft geschlossen. Aus diesem Grund würde im Moment das Ziel auch so bestehen bleiben!

Wie viel Zeit floss in die Organisation ein?
Ich muss sagen, dass meine Frau unheimlich viel Zeit in die Organisation investiert hat, da sie im Grunde genommen das von Grund auf aufgebaut hat. Zuerst nur über Emails, später hat sie den Kontakt auch hier an die Schule gebracht. Also zwei Amerikanerinnen, die auch den Neuntklässlern den Amerika-Austausch mit einer Präsentation vorgestellt haben. Schließlich holen die parallel auch Schüler für ein Jahr nach Amerika und betreuen diese („reflections international organisation“). Das alles war für die praktisch auch ein neues Konzept, weil die bis jetzt auch noch kein “Schule zu Schule” Austausch gemacht haben. Wir sind dann mit denen darüber ins Gespräch gekommen und haben versucht das ganz neu aufzubauen. Die Idee an sich war schon mal da, da ein Deutscher, ich glaube sogar aus Hagen oder Hohenlimburg, der nach Amerika gegangen ist, damals dieses „Büro reflections international“ dort aufgemacht hat und da gab es schon mal eine Verbindung zwischen dem Stadtteil und dieser Schule. Nur lag das solange auf Eis, dass sich da eigentlich keiner mehr, außer die älteren Kollegen, z.B Frau Hulvershorn, daran erinnern konnte, dass das mal bestand.


Wann haben Sie denn angefangen die Reise zu organisieren?

Das war grob gesagt vor anderthalb Jahren, weil natürlich die ersten Kontakte erst einmal darauf abzielten, dass wir gucken mussten, kann man das realisieren, wie wir wollten. Der nächste Schritt war zu schauen, ob es amerikanische Schulen gibt, die sich bereit erklären am Austausch teilzunehmen. Als wir die positive Rückmeldung bekamen, konnten wir mit der Idee zur Schulleitung gehen. Doch mussten wir die Idee dann natürlich auch erst in der Lehrerkonferenz, sowie der Schulkonferenz vorstellen, damit Kollegen, Schüler und Eltern darüber Bescheid wissen und dies auch wollen. Danach ging es dann erst an den Feinschliff und an die genauere Planung. Durch die lange Dauer der Vororganisation, hatten wir für den Rest der Planung, wie z.B. für die Buchung der Flugtickets,  letztendlich nur zweieinhalb Monate Zeit.

Welche Lehrer/innen haben alles bei der Organisation geholfen? Und inwiefern haben Sie sich die Aufgaben untereinander aufgeteilt?
Die reine Erarbeitung am Anfang waren wir Neuhaus´, wobei meine Frau den Großteil erledigt hat. Sie übernahm die gesamte Korrespondenz und ich habe zum Beispiel die Flüge gebucht. Nach dem ganzen haben wir Hilfe von Frau Wittkop und Herrn Deger bekommen, welche auch mitgefahren sind. Für die nächsten Jahre können wir uns auch vorstellen, dass abwechselnd Kollegen mit nach Amerika reisen, so wie es bei dem China-Austausch ebenfalls der Fall ist. Zwar sollte ein Kern bestehen bleiben, aber es könnten jeweils ein oder zwei andere Lehrer mitfahren.

Was muss denn für so einen Austausch generell überhaupt organisiert werden?
Zuerst muss man natürlich ganz eng mit den amerikanischen Kollegen zusammenarbeiten, um zu schauen, welche amerikanischen Schulen teilnehmen wollen. Nachdem dies festgelegt wurde, muss man sich für einen passenden Zeitraum entscheiden. Dabei stellen sich die Fragen: Wann werden keine Klausuren geschrieben? Ist es in der Nähe der Zeugnisausgabe? Etc. Des Weiteren muss geschaut werden, wie viele Schüler auf beiden Seiten teilnehmen wollen. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass auf der einen Seite ein Überangebot besteht, jedoch auf der anderen Seite nicht. Dazu kommt dann noch das Organisieren des Programms. Wobei man sich zuerst überlegen muss, ob man ausschließlich zwei Wochen lang nur in die Schule geht oder noch eine Rundreise mit einplant, was natürlich schon einen Sinn ergibt, wenn man auf einem anderen Kontinent ist. Aufgrund dessen haben wir es zweigeteilt und waren eine Woche in der Schule bei den Gastfamilien und eine Woche auf Rundreise, in der wir uns dies und das angeschaut haben.

Welche Informationen waren notwendig?
Wenn man auf die konkrete Reiseplanung eingeht, müssen wir natürlich wissen, ob bei den Schülern Allergien oder Besonderheiten vorliegen, auf die man achten muss. Schließlich kann man einen Schüler mit einer Hundehaarallergie schlecht einer Gastfamilie, die einen Hund besitzt, zuordnen. Ansonsten gab es letztes Jahr Interviews, wo wir herausfinden wollten, was die Intention der Schüler ist: warum wollen sie mit nach Amerika? Was interessiert sie an Amerika? Was sind sie bereit mit zu organisieren? Schließlich haben wir dieses Mal zum Beispiel kleine Präsentationen über unsere Schule und dem Stadtteil Hohenlimburg gemacht. Ich finde es auch wichtig, dass Schüler, die mitfahren, ein wenig Eigeninitiative zeigen, denn diese repräsentieren auch unsere Schule und unser Land!

War es einfach diese zu erlangen?
Manches kann man ganz einfach durch Fragebögen erlangen. Andere Informationen benötigen mehr Zeit und mehr Recherche. Hauptproblem ist, dass die amerikanische Seite hauptberuflich eher für die „reflections international organisation“ tätig ist. Daher, dass diese dadurch ständig unterwegs sind, hat es zwischendurch sehr lange gedauert, dass wir eine Antwort bekommen haben.
Wenn wir komplett alles alleine planen könnten, würde es viel einfach und vor allem auch schneller von der Bühne gehen. Aber so funktioniert eben kein Austausch! Da muss man schon von beiden Seiten zusammen arbeiten!

Was ist die größte Schwierigkeit bei der Organisation?
Das schwierigste war tatsächlich am Anfang die Kosten festzulegen. Denn, wenn man das alles zum ersten Mal macht, hat man noch nicht so einen Blick dafür. Man muss alles in einer gewissen Art und Weise schätzen, wie zum Beispiel eine Busfahrt von Ort A nach B. Daher war die Kostenplanung sehr schwer, denn die Eltern und Schüler wollten verständlicherweise auch eine grobe Kostenplanung von uns wissen. Bei dieser Reise hatten wir eine grobe Kalkulation von 2.000€, wobei wir sogar ohne Sponsoren unter diesem Betrag geblieben sind.

Gibt es Dinge, die man im Voraus nicht planen kann, bei denen man einfach „ins kalte Wasser springen“ muss?
Klar! Schließlich haben wir den Amerikanern zum Beispiel nur mitgeteilt, was uns grob interessiert, woraus diese dann ein Programm für uns entwickelt haben. Dabei waren natürlich Dinge, die wir zuvor nicht kannten und bei denen man sich vielleicht dachte: worauf genau lasse ich mich jetzt ein? Zum Beispiel sind wir bei der Reise auf eine Farm gebracht worden, bei der es ein Kornfeldlabyrinth gab. Dies war schon echt beeindruckend und spannend!

Was muss bei einer solchen Reise unbedingt beachtet werden?
Die Schüler sollten sich auf jeden Fall im Klaren sein, dass sie nicht unbedingt die gewohnten Umstände vorfinden. Daher sollte man schon eine gewisse Offenheit gegenüber anderen Ländern, anderen Sitten haben. Das ist meiner Meinung nach auch definitiv das Wichtigste, wenn man ins Ausland geht! Man sollte sich nicht zuvor eine Meinung bilden, obwohl man noch nie in dem Land war!  – Herr Neuhaus mit verstellter Stimme – Von wegen „wenn das nicht genauso ist, dann will ich das nicht!“
Des Weiteren sollte man schon eine gewisse Freude mitbringen, auf das, worauf man sich einlässt. Ebenso sollte man ein bisschen teilen, von wegen was sich bei uns zu Hause abspielt. Dies kann in Form von Erzählungen, Bildern oder sogar Präsentationen sein.

Gab es eine Reiseleitung?
Diese gab es nur indirekt. Schließlich hat die amerikanische Organisatorin Frau Kühl den Platz der Reiseleitung übernommen, da sie eben alles organisiert hat.

Gab es Besonderheiten bei der Reise?
Ja! Denn eines Tages, sind wir von einer Busfahrt zurückgekommen und während der Busfahrt meinten einige Jungs: „Übermorgen Abend spielen die „Chicago Bulls“ (eine Basketballmannschaft). Wäre doch cool dahin zu gehen und diese live zu sehen.“ Innerhalb von einer halben Stunde hat Frau Kühl alles in die Wege geleitet und uns Tickets für dieses Spiel besorgt. Daraufhin sind wir natürlich zwei Tage später zu diesem Spiel gegangen, welches allen einen riesen Spaß und Freude bereitet hat.

War die Organisation sehr stressig oder eher entspannt?
Es kommt auf die Phasen drauf an. Klar gibt es Phase, die sehr stressig sind, wenn dann nämlich alles da sein muss. Schließlich geht es darum, das Geld gesammelt auf dem Konto zu haben, um als Beispiel rechtzeitig die Flüge bezahlen zu können. Denn, wenn irgend etwas fehlt oder nicht rechtzeitig da ist, muss man schnell reagieren können.
Was aber viel Spaß bereitet, ist, das Programm erst einmal grob zu planen. Für den Gegenbesuch haben wir jetzt schon mit den Amerikanern abgesprochen, was die gerne machen und sehen wollen. Dann überlegt man sich eben auch schon, was einem aus unserer Sicht gefällt und für die interessant sein könnte.

Würden Sie die Organisation wieder übernehmen, um erneut nach Amerika zu reisen?

Zuerst muss man sagen, dass man natürlich jetzt ein paar Dinge aus dieser Planung übernehmen kann und nicht alles so intensiv erneut organisieren muss. Allerdings müssen wir jetzt im Januar schon für die nächste Fahrt werben und Schüler heranholen, die mit reisen wollen. Daher wird es jetzt demnächst schon wieder Aushänge bezüglich des Amerika-Austauschs geben.
Aber wir wissen ja jetzt eben schon, worauf wir uns einlassen, wie die Planung funktioniert, was das alles grob kostet etc. Aber natürlich mach ich das für dieses Jahr und, wenn meine Frau zurückkommt, wird sie das wahrscheinlich weiter machen. Schließlich ist sie „Feuer und Flamme“ für den Austausch.

Was finden Sie persönlich besser: Dinge genau durchzuplanen oder manches einfach auf sich zukommen zu lassen?
Definitiv das Zweite! Denn, wenn etwas für einen Abend schon genau geplant ist, dann kann man nicht eben sagen, komm wir schauen uns die „Chigago Bulls“ an. Dies kann ich ganz gut mit China vergleichen, da ich da auch schon zweimal mit war. Und dort sind die Programme ziemlich strukturiert. Dort hatten wir als Lehrer sogar einen eigenen Chauffeur, der uns zu jedem Programmpunkt gefahren hat. Doch war man da fremdgesteuert und musste sich auf komplett alles einlassen. Manchmal ist das auch ganz schön, jedoch auch nervig. Jetzt in Amerika waren wir selbständiger. Wir hatten zum Beispiel auch einen Leihwagen vom Hotel aus und konnten als Betreuer einfach mal frei in die Stadt fahren.

Was war Ihr persönliches Highlight der Reise?
Zum einen das Basketballspiel, welches mir sehr gut gefallen hat, da ich persönlich auch ein großer Fan von Michael Jorden aus den 90er Jahren bin. Zum anderen die Momente, als ich gemerkt habe, dass sich die Austauschschüler untereinander so gut verstehen und praktisch schon Freundschaften geschlossen haben. Eventuell pflegen sie den Kontakt untereinander über den Austausch auch hinweg. Besuchen sich nochmal oder schreiben sich regelmäßig Emails etc. Das ist definitiv das größte Highlight von so einem Austausch für mich! Schließlich kann man jedes Event, wenn man möchte wiederholen. Aber so einen besonderen Moment, in dem eine neue Freundschaft geknüpft wird, nicht!

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