Mit kleinen Schritten zum Glück

Neues Wahlpflichtfach macht glücklicher als gedacht

Von Gwana Hasso und Laura Bergmann

Glück ist…ja was eigentlicht? Genau dieser Frage können Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtbereich der Mittelstufe nachgehen. Seit nunmehr einem dreiviertel Jahr bietet das Gymnasium das Schulfach „Glück“ an. Was zunächst komisch klingt, ist in einigen deutschen Bundesländern sogar Abiturfach. Was sich hinter dem Fach verbirgt und welche Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler unserer Schule bereits gemacht haben, haben wir im Gespräch mit Frau Leushacke erfahren.

 

Seit wann gibt es das Fach?

Ganz genau weiß ich es nicht, da muss ich mal nachgucken. Aber entwickelt wird das Fach seit ca. 20 Jahren, also ca. seit 11, 12 Jahren.

 

Wieso heißt es Glück?

Weil das gerade auch schon das Ziel darstellt. Genau da wollen wir sozusagen hin. Hauptbestandteil ist aber das Glück im Sinne von „glücklich sein, zufrieden sein“ und nicht unbedingt das Zufallsglück, sondern eher „wie kann ich glücklich sein?“

 

Wie wird es unterrichtet? Was macht man da genau?

Im Unterricht haben wir häufig Übungen, die erst einmal auflockern sollen. Sie sollen den Schülern aber auch zeigen „was kann ich gut“ und welche Ressourcen habe ich, z.B. aus der Familie: „wie werde ich da unterstützt?“

Jetzt am Anfang haben wir uns generell erst einmal auf unsere Persönlichkeit bezogen: „wer bin ich? Was kann ich? Wieso bin ich der, der ich bin?“ und dabei auch unsere eigenen Stärken herausgefunden. Denn wenn man sich selbst nicht kennt, wie soll man herausfinden, wer man selbst ist? Gerade bei Teenager. Im nächsten Schritt soll es ein bisschen darum gehen, wie sind andere glücklich? Wie werde ich glücklich, indem ich mit anderen zum Beispiel agiere? Häufig ist es so, wenn man anderen hilft, dass man auch Glück empfindet. Da sind wir sozusagen jetzt im Moment. Man kann das auf verschiedene Art und Weise machen. Da kann man körperliche Übungen machen. Beispielsweise haben wir einmal eine Übung gemacht, nannte sich „geballter Stress“, da haben wir Gruppen gebildet, die sich dann mehrere Bälle in unterschiedlichen Farben in unterschiedlicher Reihenfolgen zuwerfen mussten. Also man fängt mit einem Ball an und muss sich die Reihenfolge merken – eigentlich muss man sich nur den merken, von dem man den Ball bekommt und an wen man ihn weiter wirft. Das soll einfach zeigen wie wir mit Stress umgehen, ob wir das schaffen und sagen, das wird schon. Vielleicht geht auch mal was schief, aber wir haben da Spaß dran oder, ob es eher das Katastrophengefühl von wegen „es wird mir zu viel“ widerspiegelt. Also wie viel Stress kann man aushalten und wie wird er verarbeitet? Denn im Anschluss frage ich, wie habt ihr reagiert, denn sie haben sich und die anderen beobachtet. Einige antworteten „aber irgendwann ist man voll drin und man weiß an wen man das geben muss und wann nicht und ist ja auch irgendwie lustig“ und die anderen sagten „das war total schrecklich. Ich wusste überhaupt nicht, welcher Ball jetzt an wen muss und ich war total durcheinander.“ Das heißt die Schüler reflektieren sich selbst, wie bin ich damit umgegangen, um dann eben eine Lösung zu finden, wie kann ich denn im Alltag damit umgehen, wenn ich merke, dass es mir zu stressig wird?!

 

Seit wann wird es bei uns unterrichtet?

Bei uns gibt es das jetzt ab dem Sommer letzten Jahres. Also ca. ein halbes Jahr.

 

Von wem wird das Fach unterrichtet?

Bisher nur von mir, jedoch könnte Herr Sunderkamp dies auch. Ich spreche mich immer mal wieder mit ihm ab, sodass er über alles Bescheid weiß, was Sache ist. Damit er für den Fall, wenn er mal übernehmen muss, Bescheid weiß, wo wir gerade sind!

 

Warum ausgerechnet Sie?

Ich bin auf die Idee gekommen das zu machen und hatte da auch Lust zu. Ebenso meinten Frau Auerbach und Herr Sunderkamp, dass sie sich das auch gut für mich vorstellen könnten. Wahrscheinlich ist der ausschlaggebende Punkt, dass ich ja auch Philosophie unterrichte, was eben auch ein Teil vom Fach Glück ist. Des Weiteren bin ich sehr offen und versuche auf die Schüler einzugehen, also über Probleme wie Stress zu reden. Allerdings ist es mir auch wichtig wirklich etwas aktiv zu lernen und nicht nur ein Klatsch und Tratsch Unterricht zu machen. Denn es ist wichtig, dass wenn wir z.B. über Stress reden, dass die Schüler unterscheiden können, ob es positiver oder negativer Stress ist und die Definition davon kennen.

 

War dafür eine Schulung oder Ausbildung nötig?

Es gibt zwar Seminare, doch habe ich bisher keines davon belegt. Frei Schnauze beginne ich den Unterricht natürlich auch nicht! Ich habe mich da vorher schon informiert und genug Infos rausgesucht. Damit der fachwissenschaftliche Anspruch des Faches gewahrt bleibt, habe ich mich im Vorfeld intensiv mit den Inhalten beschäftigt, um den Schülerinnen und Schülern die Breite des Faches und den Bezug zu ihrer Lebenswirklichkeit stets vor Augen führen kann.

 

Welche Jahrgangsstufen werden unterrichtet?

Bisher nur die 8. Klasse und demnächst auch die 9. Klasse, da das Fach Glück als Ersatz-Wahlpflichtfach für Rechtskunde agieren soll.

 

Kann man dies auch in der Oberstufe wählen?

Zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Doch in anderen Bundesländern, wie Baden-Württemberg schon. Dort ist es sogar als Abiturfach zugelassen. Aber eventuell könnte man demnächst einen Projektkurs anbieten. Aber zuerst konzentrieren wir uns auf das Wahlpflichtfach.

 

Was sagen denn die unterrichteten Schüler zu dem neuen Fach?

Das Feedback war eher positiv, wobei manche immer noch nicht genau wissen, was ihnen das bringt. Aber im Großen und Ganzen hilft es ihnen schon.

Einige Kinder aus der internationalen Förderklasse, die sehr offen sind, sind auch dabei. Dies ist sehr gut, denn man muss offen sein, um über Fehler sprechen zu können. Schließlich käme man sonst nicht dahinter, was einen stört oder was man als Gutes daraus ziehen kann. Und die internationalen Förderkinder können daraus eine Willkommensatmosphäre ziehen.