Inklusion am Gymnasium: Wie läuft’s, wo hakt’s?

Sonderpädagogin wirft kritischen Blick auf gemeinsamen Unterricht

Von Michelle Rutschke und Kotryna Dirmantaité

Inklusionsklassen gibt es an allen Schulen. Egal ob an Realschulen, Gesamtschulen, Hauptschulen, Sekundarschulen- oder eben an Gymnasien. Sie bestehen meist aus rund 25 Schülern, wovon 3 oder 4 Schüler einen Förderbedarf aufweisen. Diejenigen Schüler werden zieldifferent unterrichtet, das heißt, der Unterricht wird individuell für jeden dieser Schüler gestaltet, um das festgelegte Lernziel zu erreichen. Dies kann beispielsweise an körperlichen, beziehungsweise an geistigen Behinderungen liegen, oder an der Herkunft. Doch um mehr über das Thema „Inklusion“ zu erfahren, haben wir unserer Sonderpädagogin Frau Ströter, die sich um die Inklusionsklassen kümmert, einige Fragen gestellt.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen Integration und Inklusion, oder ist das dasselbe?

Mittlerweile wird der Begriff Integration mehr benutzt, um Menschen mit Migrationshintergrund hervorzuheben, obwohl dies eigentlich nicht ganz richtig ist. Früher meinte Integration, dass Schüler mit Behinderung integriert werden sollen, jedoch geht Inklusion einen Schritt weiter als Integration.

Bei der Integration sind die Schüler zwar im Unterricht dabei, aber noch nicht mittendrin im Geschehen. Früher gab es sogenannte „integrative Lerngruppen“, in denen die Schüler zwar mit unterrichtet, aber ganz häufig eher aus den Regelklassen rausgenommen wurden. Sie waren also schon irgendwie mit dabei, konnten sich aber noch nicht so richtig einleben.

Die Inklusion sollte etwas darüber hinausgehen, sodass wirklich alle gemeinsam lernen. Das kann manchmal vielleicht nicht ganz erfüllt werden, wobei das dieses Wunschdenken war, das auch mein Wunschdenken wäre. Leider ist es so, dass verschiedene Ressourcen dies nicht zulassen. Trotzdem hoffe ich, dass das gemeinsame Lernen weiterhin ermöglicht werden kann.

 

Seit wann gibt es die Inklusion am Gymnasium Hohenlimburg?

Die ersten fünf Schüler mit Förderschwerpunkten sind in der jetzigen EF. Dementsprechend gibt es die Inklusion seit sechs Jahren an dieser Schule. Seit dem werden die Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unterrichtet. Wir versuchen, stets unser Bestes zu geben.

 

Wie sieht es mit der Lehrkraft aus? Wurden Sie speziell dazu ausgebildet?

Ich bin keine Gymnasiallehrerin, sondern eine Sonderpädagogin. Trotzdem habe ich ganz normal Sport studiert, sodass ich jetzt die Sekundarstufe unterrichten darf.

Ich war zuvor viele Jahre an verschiedenen Förderschulen und habe dort gearbeitet. Eine dieser Schulen war auch hier in Hohenlimburg, die Pestalozzi-Schule in Oege. Leider wurde diese vor fünf Jahren geschlossen. In meinem letzten Jahr dort, habe ich mit halber Stundenzahl am Gymnasium und an der Pestalozzi-Schule gearbeitet. Als diese geschlossen wurde, entschied ich mich dazu, ganz am Gymnasium zu arbeiten. Ich habe viel Freude daran, hier arbeiten zu dürfen.

 

Klappt hier die Umsetzung der Inklusion? Und was könnte man Ihrer Meinung nach verbessern?

Ich würde sagen, dass wir viele Sachen richtig machen, jedoch gibt es immer etwas, was man verbessern könnte. Eigentlich bin ich ganz stolz darauf, dass auch die Schüler mit Förderschwerpunkt sehr gerne bei uns auf die Schule gehen und sich wohl fühlen. Auch von den restlichen Schülern bekommen wir Unterstützung, in den Klassen hält eine tolle Klassengemeinschaft alle zusammen.

Die Inklusionskinder werden super integriert, was mir natürlich sehr gefällt. Was allerdings fehlt, sind neue Sonderpädagogen, um das beste Endergebnis zu erzielen: Nämlich eine gelungene Förderung der Schüler in Inklusionsklassen.

Von den Stundenplänen her würde man sich manche Sachen anders wünschen, was an Gymnasien leider schwierig ist. Am Gymnasium sind die Wege, um Sachen durzusetzen, viel länger, als zum Beispiel an Förderschulen.

Insgesamt denken andere und ich, dass die Inklusion an unserer Schule ganz gut funktioniert.

Was ich mir wünschen würde, wäre die ständige Doppelbesetzung von Sonderpädagogen in den Inklusionsklassen. Leider ist dies durch den Lehrermangel nicht möglich, aber es würde sehr vieles erleichtern. Die Schüler würden beispielsweise alle nochmal zusätzlich unterstützt werden.

 

Wie steht´s mit der Entwicklung der Inklusion an unserer Schule?

Damals haben wir uns viele Gedanken zu dem Thema gemacht. Als wir angefangen haben, kamen Fragen auf wie: Sollen alle Kinder in eine Klasse gehen? Trennen wir sie lieber?

Die ersten vier Schüler mit Unterstützungsbedarf waren zusammen in einer Klasse. Dies war die bessere Lösung, da die Sonderpädagogen sich so besser um die Schüler kümmern konnten und die Schüler immer einen gleichen Freund in der Klasse hatten, sodass sie sich nicht alleine fühlten.

So sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es mindestens zwei Schüler mit Förderbedarf pro Inklusionsklasse geben sollte, um  den Unterricht besser binden zu können.

 

Haben Sie sonst noch etwas zu sagen?

Es wird hier am Gymnasium nicht mehr so lang differente Schüler geben.

Einerseits finde ich das schade. Für mich würde das nämlich bedeuten, dass meine Zeit am Gymnasium sich langsam dem Ende neigt.

Andererseits denke ich, dass  Gesamtschulen sich besser für die Unterbringung eignen, da sie das Schulsystem der G9 umsetzen.