Nachgefragt – Lehrer im Interview

Das Zusammenleben verschiedener Nationen ist eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft. Frau Braun erzählt, wie Integration an unserer Schule gelebt wird.

Braun

Seit Beginn letzten Jahres gibt es nun schon die Interview-Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“. Auch 2019 könnt ihr jeden Monat ein neues Interview auf unserer Seite lesen. Hier werden Lehrern Fragen zu allen möglichen Themen gestellt, denn schließlich hat auch diese Spezies interessante Geschichten und Meinungen, die es zu erfahren lohnt. Greenlionz deckt sie auf.

Als Lehrerin für Erdkunde und Pädagogik ist es naheliegend, dass Frau Braun Teil des Teams rund um die internationale Vorbereitungsklasse ist. Die meisten haben bereits davon gehört, doch wie der Unterricht mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedensten Ländern abläuft, weiß fast niemand. In diesem Interview berichtet Frau Braun, was eigentlich hinter der iFö-Klasse steckt.

(Anmerkung zur Begrifflichkeit: ,,iFö“ ist die Abkürzung für ,,internationale Förderklasse“. Aktuell handelt es sich um die ,,internationale Vorbereitungsklasse“, doch da ,,iFö“ als Abkürzung allen bekannt ist, werde ich diesen Begriff benutzen.)

Erst mal ganz allgemein: Was ist die iFö-Klasse überhaupt?

Wir haben die ,,iFö 1“, das sind momentan nur noch zwölf Schüler, vorher waren es sechzehn. Darin sind unterschiedlichste Nationalitäten vertreten; von Italien über Armenien bis Griechenland ist alles dabei. In dieser Klasse sind die Kinder alle zwischen zwölf und fünfzehn Jahren alt, es gibt seit Februar aber auch noch eine neue iFö-Klasse, in der der Altersunterschied größer ist.

Geht es im Unterricht hauptsächlich darum, Deutsch zu lernen oder werden auch alle anderen Fächer ganz normal angeboten?

Zu Beginn sind die SchülerInnen nur in der iFö-Klasse, da geht es wirklich um das Deutschlernen, sechs Stunden am Tag. Wenn die Deutschkenntnisse auf einem guten Niveau sind, können Einzelne in eine Regelklasse eingegliedert werden. Dabei wird der Schwerpunkt zuerst auf Fächer wie Musik, Kunst oder Sport gelegt, in denen die Kinder sich einbringen können, später gibt es dann auch die Möglichkeit, beispielsweise am Mathe-Unterricht teilzunehmen. Vor allem der Kontakt zu den anderen Schülern verbessert die Sprache dann weiterhin.

Wie bringt man jemandem, dessen Sprache man auch nicht spricht, Deutsch bei?

Das war total witzig. Bei der Anmeldung standen zahlreiche Eltern vor mir, die haben mich nicht verstanden und ich habe selbst nichts verstanden. Das funktioniert nur mit Händen und Füßen, notfalls auch mal mit Google Übersetzer, viel mit Bildern. Wir waren mit der Klasse im Supermarkt, um die Lebensmittel zu zeigen, haben das Kochen geübt, waren viel draußen. Ich denke, dass das meiste über die Kommunikation gelernt wird. Dabei werden die Vokabeln aufgeschrieben und dann braucht es viel Fleiß.

Ich mache momentan eine Qualifizierung, um DaZ (Deutsch als Zweitsprache) unterrichten zu können. Da habe ich letztens gelernt, wie es ist, wenn man eine halbe Stunde lang auf einer fremden Sprache angesprochen wird – man versteht gar nichts. Damit das leichter fällt, versuchen wir, langsam zu sprechen und mit Spiel und Spaß zu arbeiten.

Dazu wird wahrscheinlich eine Menge Ehrgeiz und Disziplin benötigt.

Das stimmt, aber die Schüler sind sehr motiviert. Sie wollen Vokabeltests schreiben, Hausaufgaben bekommen, Zuhause üben, weil sie wahrscheinlich auch wissen, dass sie hier an der Schule bleiben können, wenn sie fleißig sind. Deshalb möchten wir ja auch den Schwerpunkt auf Spiele legen. Der gesamte Unterricht ist von Spontaneität geprägt, manchmal wiederholt man noch etwas oder spielt ,,Ich packe meinen Koffer“, um Vokabeln zu üben. Das ist sehr beliebt bei den Schülern!

Und wie funktioniert das von der anderen Seite aus? Wie kommen die Fachlehrer damit klar, wenn ein iFö-Kind im Mathe-Unterricht sitzt?

Das ist ganz unterschiedlich. Im Moment unterrichte ich die Schüler in Mathe und habe da glücklicherweise Frau Konstantinidis an meiner Seite. Manchmal ist es leider so, dass die Kinder nur im Klassenraum sitzen und sich langweilen, weil sie nicht richtig mitkommen. Dann wird es schwierig, weil die Kollegen nicht dafür ausgebildet sind, es kann also schnell zur Überforderung kommen. Trotzdem versuchen wir, die iFö-Schüler auch in Regelklassen zu integrieren und das erst mal auf einem guten Level zu meistern.

Wie reagieren die Regelschüler darauf, wenn plötzlich eine neue Person dabei ist?

Ich selbst bin meistens nicht mit im Regelunterricht, aber die iFö-Kinder haben erzählt, dass sie sehr positiv aufgenommen wurden. Mittlerweile fahren sie auch mit zum Marienhof und nehmen am Wandertag teil oder an Klassenfahrten, sofern das von den Eltern gestemmt werden kann. Genauso sollte es auch sein.

Wie sehen Sie persönlich die interkulturelle Arbeit?

Vielfalt ist im Allgemeinen immer eine Bereicherung. Mir macht das sehr viel Spaß, es ist jeden Tag etwas Neues. Ich finde es toll, neue Kulturen kennenzulernen, es wird zum Beispiel oft etwas Traditionelles zu essen mitgebracht. Den Kontakt zu vielen Kulturen würde ich jedem empfehlen und gerade für unsere Schule ist die iFö-Klasse eine große Bereicherung.

Gibt es denn auch Schwierigkeiten, zum Beispiel bei Traditionen oder Moralvorstellungen?

Ja. Einmal hat mir einer der Väter nicht die Hand gegeben, aber damit hatte ich auch gerechnet, weil ich mich natürlich mit den Kulturen auseinandersetze. Im ersten Moment ist das kein schönes Gefühl, aber ich respektiere das. So was ist ebenfalls Thema in der Klasse, denn Integration heißt auch Anpassung.

Anfangs war es mit dem Schwimm-Unterricht etwas kompliziert, da haben wir schon einige Eltern zum Gespräch eingeladen. Jetzt gehen aber tatsächlich alle schwimmen.

Welches Fazit ziehen Sie in Bezug auf die Arbeit mit der iFö-Klasse?

Vielfalt ist für uns alle eine Bereicherung und wir sollten es schätzen, dass wir diese Schüler hier an der Schule haben, weil wir alle davon profitieren; die Schüler selbst, die Regelschüler, auch die Kollegen. Wir sollten versuchen, mit verschiedenen Kulturen umzugehen, sie zu respektieren und ihnen auch die Möglichkeit zu Integration zu bieten. Deshalb würde ich allen Lehrerinnen und Lehrern empfehlen, mal in den Unterricht der iFö-Klasse reinzuschnuppern. So wie es jetzt gerade läuft mit dem Multi-Kulti an der Schule, finde ich es klasse und diese