Nachgefragt – Schülersprecher im Interview

Philo Schwippert ist „buntester Hund“ der Schule

Schülersprecher Philo Schwippert

Von Milena Stange

Egal ob bei Veranstaltungen, letzten Schultagen oder im SV-Raum; Philo Schwippert trifft man immer. Wie es für ihn ist, als Schülersprecher und Mitglied der SV zu agieren, erzählt er in diesem Interview

Nach eineinhalb Jahren endet nun die Reihe ,,Nachgefragt – Lehrer im Interview“. Ein besonderer Dank gilt allen 24 Interview-Partnern, die sich die Zeit genommen haben, mir geduldig meine Fragen zu beantworten, egal ob sie zwischen Tür und Angel gestellt wurden, per Mail oder in einem halbstündigen Gespräch. Ich selbst habe einiges dazugelernt, meine Meinungen überdacht, Neues ausprobiert und Sichtweisen geändert. Deshalb schreibe ich den letzten Text dieser Reihe mit ein bisschen Sentimentalität, aber auch mit viel Freude und Dankbarkeit. Vielleicht konnte ja der ein oder andere Leser etwas aus ,,Nachgefragt“ mitnehmen, und wenn es nur ein kleines Schmunzeln war.

Bekannt wie ein bunter Hund, selbstbewusst und mit breitem Grinsen im Gesicht; die meisten wissen, dass von Philo die Rede ist: Moderator bei den verschiedensten Veranstaltungen, Mitglied der SV (Schülervertretung) und – nur so nebenbei – auch noch Schüler unseres Gymnasiums. Wie kann man all das unter einen Hut bringen? Und wie fühlt es sich eigentlich an, vor so vielen Menschen zu sprechen?

Wie ist es dazu gekommen, dass du dich in der Schule engagierst?

Das waren meine Geschwister. Mein Bruder ist in der neunten Klasse irgendwie da rein gerutscht und ich fand das total toll, was die alles gemacht haben. Also wollte ich auch gerne in die SV und bin denen so lange auf die Nerven gegangen, bis ich in der sechsten Klasse als ,,Besucher“ Teil der Gruppe sein durfte, obwohl die SV eigentlich nur für Siebtklässler und Ältere gedacht war. Das wurde irgendwann immer mehr, ich habe angefangen, Projekte zu leiten und bin in der achten Klasse zum Schulkonferenzvertreter gewählt worden, durfte also mit sechs anderen die Schülerschaft bei den Konferenzen mit Lehrern und Eltern vertreten.

Dann liegt das bei euch in der Familie?

Ja, meine Schwester war ja auch Schülersprecherin. Ich hatte quasi keine andere Wahl! (lacht)

Natürlich wurde ich nicht gezwungen, wir haben alle drei einfach Spaß daran, solche Dinge zu organisieren und dadurch auch etwas zu lernen.

Was glaubst du denn, lernt man durch das Engagement in der SV?

Ich denke, es ist ganz viel für das spätere Leben – auch wenn ich das nicht wirklich beurteilen kann.  Wie man Projektabläufe plant, Dinge organisiert, so in diese Richtung.

Mit der Zeit habe ich auch gelernt, was ich mir erlauben kann und was nicht. Aus ,,Ja! Eine Stunde kein Unterricht wegen einer SV-Sitzung!“ wurde mit der Zeit ,,Können wir das nicht lieber da machen, wo ich eine Freistunde habe?“.

Mittlerweile weiß ich auch, dass ich mir Dinge aufschrieben sollte, damit ich sie nicht vergesse…(lacht)

Es ist eine sehr zeitaufwendige Aufgabe, große Projekte zu organisieren. Ist dir das schon mal zu viel geworden, vor allem neben der Schule?

Leider nicht, das wird mir langsam zum Verhängnis, weil ich immer noch sehr viel mache und nicht damit aufhören will. Da muss ich aufpassen, dass die Schule nicht zu kurz kommt, aber aktuell funktioniert das ganz gut.

Und wie läuft die SV-Arbeit dann hinter den Kulissen? Die meisten kriegen ja nur mit, was hinterher dabei herauskommt.

Wir sind etwa zwanzig oder dreißig Leute, die sich einmal in der Woche treffen und absprechen, was gerade läuft. Aber nicht alle arbeiten an allem, es gibt immer zwei Hauptverantwortliche und eine Kleingruppe pro Projekt. Innerhalb dieser Kleingruppen gibt es dann eine oder mehrere Projektsitzungen, bei denen die Organisation genauer besprochen wird. Das funktioniert auch sehr gut; es gibt nicht einen, der alles macht, sondern ein ganzes Team. Dadurch macht die Arbeit viel mehr Spaß.

Ist gerade etwas Größeres in Planung?

Ja, das Sommerfest nach den Ferien. Diesmal haben wir etwas mehr Zeit und können aus den Fehlern von letztem Jahr lernen. Wir werden zum Beispiel mehr mit Lehrern und Eltern reden, damit auch alle zusammenarbeiten.

Wenn ihr solche Projekte organisiert, gibt es dann Probleme, die häufiger auftreten?

Das Protokollschreiben, da hat niemand Lust drauf. Man merkt erst hinterher, wie wichtig das ist. Beim letzten Sommerfest haben wir zum Glück ein gutes Protokoll geschrieben, in dem auch die Fehler dokumentiert sind. Damit können wir jetzt super arbeiten, um diese Dinge besser zu machen. Das Protokollieren ist besonders bei Veranstaltungen, die zur Routine werden, wichtig. Man muss darauf achten, dass man immer wieder alles aufschreibt, auch wenn es schon vom Vorjahr ein Protokoll gibt.

Was macht ihr, wenn mal etwas schiefläuft?

Spontan sein, anders geht es nicht. Beim Sommerfest haben wir vergessen, die Musik bei der Stadt anzumelden, da hat Herr Galon noch am Tag des Festes mit der Polizei telefoniert, um auf die Lautstärke hinzuweisen. Wir versuchen natürlich, an alles zu denken, aber das funktioniert nicht immer, da muss man dann kurzfristig nach einer Lösung gucken.

Neben der SV machst du ja auch viel als Schülersprecher. Wie ist es für dich, vor der ganzen Schule zu reden und alle zu entertainen?

Das macht mir riesigen Spaß. Vorher ist man natürlich immer ein bisschen aufgeregt, aber wenn man dann anfängt, legt sich das. Allerdings habe ich auch nicht direkt vor der ganzen Schule gesprochen, sondern erst mal bei einem Grillfest. Da habe ich gemeinsam mit meiner Schwester moderiert, die auch schon Erfahrung hatte. Damals war ich im Theater und habe Improvisationstraining und ähnliches gemacht, deshalb fiel mir das relativ leicht.

Ich finde es nur ein bisschen schade, wenn es der letzte Tag vor den Ferien ist und man merkt, dass alle nach Hause wollen. Man selbst will ja auch nach Hause, aber es ist blöd, wenn nicht nur mir nicht mehr zugehört wird, sondern auch anderen Schülern, die sich etwas überlegt haben. Das finde ich vor allem bei jüngeren Schülern, die zum ersten Mal vor so vielen Leuten reden, schade.

Hast du einen Tipp für jemanden, der Probleme damit hat, vor vielen Menschen zu sprechen?

So blöd das auch klingen mag: vielleicht das Vor-dem-Spiegel-Üben. Sprüche wie ,,Stell dir einfach vor, die sind alle nackt“ halte ich für totalen Quatsch, weil ich noch weniger vor nackten Menschen reden würde als vor angezogenen. Viel wichtiger ist, dass man sich gut vorbereitet und sich eines selbst klar macht: Wenn es gut wird, werden sich alle daran erinnern, wenn nicht, dann spricht nach einem Tag kein Mensch mehr darüber.

Zusammenfassend zur Arbeit in der SV und der Tätigkeit als Schülersprecher: Was ist das für dich? Ein Hobby oder eher ein ,,Nebenjob“?

Hobby trifft es ganz gut, weil es unglaublichen Spaß macht. ,,Es ist eine große Ehre für mich, Schülersprecher zu sein“ klingt zwar komisch, aber man fühlt sich schon geehrt, wenn man für so etwas gewählt wird. Das zeigt ja, dass den Leuten gefällt, was man tut.

Möchtest du noch eine Massage an Schüler- und Lehrerschaft raus hauen?

Ich finde alle cool, so wie sie sind, ansonsten hätte ich es ihnen schon längst gesagt!