„Wir wollen Leben lernen, statt belehrt zu werden!“

Fünf unserer Schülerinnen und Schüler nahmen an dem Symposium in Berlin anlässlich des 80. Geburtstags von Ernst Ulrich von Weizsäcker teil

Von Celina Darmstädter
Die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Jedes Jahr sterben bis zu eine Millionen Menschen in Entwicklungsländern an Plastikmüll. Mittlerweile sind bis zu eine Millionen Tierarten vom aussterben bedroht. Und der menschengemachte Klimawandel lässt Packeis und Gletscher schneller schmelzen denn je.

Ein Problem, was auch an den Jugendlichen nicht vorbei geht. Durch den Erfolg von Greta Thunberg mit den Fridays for Future Bewegungen wurde viele interessierte Jugendliche dazu motiviert sich für ihre Zukunft einzusetzen. Doch auch unsere Schulen setzt sich immer mehr dafür ein, uns Schülerinnen und Schüler die momentane Situation rund um den Klimawandel nahe zu bringen.

Mitte Februar dieses Jahres wurde unsere zur zweiten Kooperationsschule der „Vereinigung der deutschen Wissenschaft“ (VDW). Damit pflegen wir eine ausgewöhnliche Verbindung, die dafür sorgt, dass hochkaratige Vertreter aus Wissenschaft und Politik gewonnen werden können, die uns völlig neue Eindrücke aufzeigen können. Möglich wurde dies durch Lennart Müller, der durch Klaudius Gansczyk und durch das Theodor-Heuß Gymnasium in Hagen dazu motiviert wurde, auch eine Kooperation zwischen dem uns und der VDW einzugehen.

Am 25. Juni fand in dem AXICA Kongress- und Tagungszentrum in Berlin dann ein Symposium anlässlich des 80. Geburtstags von Ernst Ulrich von Weizsäcker statt. Unter dem Motto „Wir sind dran Inspirieren-Reflektieren-Handeln“ wurden in Vorträgen, interaktiven Workshops und Diskussionsrunden mit internationalen renommierten Wissenschaftlern und Experten unterschiedliche Themen und Lösungsansätze besprochen. Darunter zählen die Herausforderungen in Umwelt,Klima,Gesellschaft und Nachhaltigkeit.

Durch die Kooperation der Vdw und unserer Schule ergab sich die Möglichkeit, dass fünf Schülerinnen und Schüler und ein Lehrer an diesem Symposium teilnehmen konnten. Dazu zählten Emely Brückner, Jale Can, Diana Laschewski, Lennart Müller sowie der die Lehrkraft Kamil Galon.

Auch ich gehörte dazu und konnte durch die Veranstaltung viele neue Erkenntnisse gewinnen. Zum Teil auch Erkenntnisse die erschreckend sind.

Die Welt ist nicht mehr wie sie einmal war. „Nachhaltig war die frühere, leere Welt“ so Ernst Ulrich von Weizsäcker. Dort war der Raubbau der Natur noch lokal und relativ harmlos doch heute leben wir in einer vollen Welt, die alles andere als Nachhaltig ist, erklärt Weizsäcker. Er beschreibt sie als die „Volle Welt“, die eine Bedrohung für unsere Lebensgrundlage ist. Man nennt es auch Anthropozän oder das Zeitalter des Menschen, also die Zeit in der, der Mensch über die Erde bestimmt. Dass der Einfluss der Menschen jedoch global nachweisbar und unumkehrbar ist, dass vergessen viele. Desto wichtiger ist es, dass die junge Generation darüber informiert und damit vertraut gemacht wird, denn es ist ihre Zukunft über die momentan entschieden wird. Und dort gibt es keinen besseren Ort als die Schule.

Der Workshop „Bildung mit Herz und Verstand“ an dem Jale Can und ich zusammen teilnahmen, befasste sich genau mit dieser Thematik. Die Schulen als eine Ermöglichung für die Zukunftsgestaltung nutzen.“Den Jugendlichen sollen Flügeln wachsen“, hieß es. Sie sollen Bereitschaft, Freude und Verantwortung übernehmen. Die alten Mauern der Schule sollen herunter gerissen werden. Das Lernen ist erst dann nachhaltig, wenn durch eigenständige Erfahrungen neues Wissen und neue Fähigkeiten an vorhandenes Wissen und vorhandene Fähigkeiten angeknüpft wird. In einem Satz zusammengefasst „No Limits to Learning“ also „Kein Limit zu lernen“. 

Innerhalb des Workshops haben wir uns dann in einer kleinen Gruppe mit der Fragestellung und der Relevanz beschäftigt, welche mutigen Schritte alle Schulen umgehend tun sollten. Klar war, dass wir als Schülerinnen und Schüler nicht mehr warten wollen. Veränderungen müssen jetzt erfolgen und nicht irgendwann. Dafür haben wir Ideen aufgestellt, wie Projektwochen, Projektunterricht aber auch Exkursionen. Damit das Lernen aus der Praxis verstärkt und neue Erfahrungen gesammelt werden können.

Doch auch die Idee, dass komplette Schulen streiken sollen, wurde in den Raum gerufen. Unsere Vision ist das „Wir“-Gefühl und das Stimmrecht für Schüler zu stärken und dass Jugendliche ernst genommen werden, wenn es um ihre Aussagen zum Klimawandel geht. Wir wollen Leben lernen, statt belehrt zu werden!

Insgesamt schaffte das Symposium uns die Möglichkeit zu geben, unsere Sorgen und Bedenken für die Zukunft loszuwerden. Wir konnten uns mit renomierten Vertretern aus Politik und Wissenschaft austauschen, neue Ideen sammeln und einen weiteren Blickwinkel für die Welt erwerben. Etwas, dass viel mehr Schülerinnen und Schülern zugänglich sein sollte. Deshalb planen wir als Schule an weiteren solcher Veranstaltungen teilzunehmen, um das Bewusstsein für seine eigene Zukunft zu verdeutlichen.