Die Pädagogik Montessoris zum Greifen nah

Die Pädagogik Kurse der Q1 besuchten das Montessori Kinderhaus in Unna und konnten die im Unterricht erarbeitete Theorie durch eigenes Erleben selbst spüren.

Von Celina Darmstädter

„Hilf mir es selbst zu tun!“ – so lautet das Motto der Reformpädagogik nach Maria Montessori.

Eine Erziehung, bei der man sich am Kind orientiert und konsequent nach den Bedürfnissen des Kindes richtet. Das Lernen mit natürlicher Freude und die kindgemäße Gestaltung schwieriger Zusammenhänge sind fundamentale Bestandteile der Montessoripädagogik.

Das Kind wird also zum Baumeister seiner selbst und richtet sein eigenes Bauwerk Tag für Tag auf und dies vollkommen ohne Zensuren, Leistungsdruck oder geregelte Stunden.

Freiarbeit steht für das Kind auf dem Plan und dadurch lernt es alles Wissenswerte was es benötigt.

Ist das denn überhaupt möglich? Eine Erziehung, bei der das Kind entscheidet was es lernen möchte und was nicht? Und wie läuft so ein Tag genau ab?

All das und noch vieles Weitere durften die Pädagogik Kurse der Q1 im Montessori Kinderhaus in Unna aus unmittelbarer Nähe erleben.

Bereits beim Betreten des Kinderhauses wird die Bedeutung  der Montessoripädagogik verdeutlicht. Neben der großen Tür wurde auch für die Kindergartenkinder eine extra nach ihrer Größe maßgerechte Tür gebaut, sodass jeder seinen eigenen großen oder kleinen Eingang hat.

Im Vorraum angekommen gehen die Blicke direkt auf das große Bild von Maria Montessori mit eines ihrer bedeutsamsten Zitate. Die Aufregung der Schüler ist groß, denn wie wird die im Unterricht erarbeitete Reformpädagogik nun in der Praxis umgesetzt? Und ist es eine bessere Erziehung als die übliche?

Nach einem freundlichen Empfang ging es in einen der Gruppenräume. Darauf folgte eine kurze Einführung in die Montessoripädagogik. Damit die Schülerinnen und Schüler jedoch ein besseres Verständnis für die Pädagogik erlangen, schlüpften sie in die Rollen von Kindergartenkindern im Alter zwischen 3 und 6 Jahren. Somit begann dann die übliche Routine. Zuallererst durften sich zwei Kalenderkinder melden, um die gängigen Aufgaben am Morgen zu erledigen. Zum ersten Schritt gehört das Anzünden einer Kerze,  danach mussten sie mit Steinen das Datum abzählen und zum Schluss wurde auf einer kleinen Tafel der Monat, der Wochentag, das Datum sowie die Jahreszeit und das Jahr eingestellt.

Sind die Aufgaben erledigt, so darf sich ein Spiel von den jeweiligen Kalenderkindern gewünscht werden. In diesem Fall war es eine Stillübung, bei der eine kleine Glocke durch den Sitzkreis gereicht wurde und nicht klingeln durfte. Nach der Stille und dem leisen Flüstern, durften die Schüler der Q1 ihre Stimmen wieder heben, denn das Begrüßungslied war an der Reihe. Dabei werden nicht nur die Kindergartenkinder selbst begrüßt, sondern auch alle Erzieher und Erzieherinnen.

Danach ging es dann in die Freiarbeit. Prickeln, malen oder puzzeln war angesagt. Aber auch mit üblichem Montessori-Material wurde gearbeitet. Besonders beliebt war das große Modell eines Gebisses mit einer dazugehörigen Zahnbürste, Zahnpasta und einem Becher. So übten die Oberstufenschüler noch einmal genau, wie die Zähne denn nun richtig geputzt werden.

Doch auch das Erfühlen von verschiedenen Materialien in Säckchen oder das Umfüllen von Sand in einen Becher waren ein fester Bestandteil des Montessoriwerkzeugs. Die so simplen Aufgaben sollen alle zu einer Sinnesanregung und Erweiterung führen und später dann auf den Alltag anwendbar sein können. Eine Einführung mit dem Rosa Turm brachte die Erkenntnis, dass je nach dem Entwicklungsstand der Kinder und deren Interesse, die Aufgaben individuell vom Erzieher angepasst werden. Durch das einfache Aufstellen mehrerer Blöcke, lernen die Kinder ein Wachstum zu erkennen und zu verstehen. Sie lernen dadurch aber auch die Unterscheidung von Größen zu begreifen. Denn spätestens beim Mittagessen wird die Frage „Kannst du mir bitte einmal den kleinen Löffel geben?“, aufkommen und das vorher erlernte Wissen kann nun zum Einsatz kommen.

 

Nach einer Freiarbeit voller neuer Eindrücke, durften Fragen über die Reformpädagogik nach Maria Montessori an die Erzieher gestellt werden. Dabei stellt sich heraus, dass die Pädagogik eine sehr individuelle Pädagogik ist. Selbstständigkeit und Eigenverantwortung aber auch Verantwortung für Andere übernehmen ist von zentraler Bedeutung. Doch ob die Erziehung nun besser oder schlechter als eine herkömmliche Förderung ist, konnte leider nicht beantwortet werden. Denn entweder man liebt und brennt für die Montessoripädagogik oder eben halt nicht. Klar ist doch, dass sie eine Pädagogik für jeden sein kann und das Kind und seine Bedürfnisse im Fokus stehen!

Die Schülerinnen und Schüler der Pädagogik Kurse, sowie die betreuenden Lehrkräfte bedanken sich bei dem Kinderhaus Unna für ihre Zeit und für ihre Offenheit. Es war für alle ein Mehrwert, einmal einen genauen Blick in die so spannende und individuelle Montessoripädagogik werfen zu können.