Blick in den Religionsunterricht der Stufe 9

Schülerin macht Zeitreise ins Jahr 300 und schreibt aus Sicht einer verfolgten Christin

Von Sabine Kersken und Luisa aus der Stufe 9

Im Religionsunterricht Jgst. 9 haben wir in diesem Halbjahr die Entwicklung der Kirche seit Jesu Auferstehung besprochen. Spätestens im 2. Jahrhundert hatten die Christinnen und Christen im römischen Reich unter Verfolgungen zu leiden. Ihr Geheimzeichen war der Fisch ; wenn sie sich gegenseitig als Mitglieder einer christlichen Gemeinde zu erkennen geben wollten, malte jemand mit dem Fuß unauffällig einen halben Fisch in den Staub der Strasse oder des Weges, der / die Gegenüber vervollständigte den Fisch

Im Jahre 312 gewann Kaiser Konstantin die Schlacht gegen seinen Mitkaiser Maxentius. Vor der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom hörte er in einem Traum den Satz „In diesem Zeichen wirst du siegen“ – dabei sah er das Chi-Rho-Zeichen , zu seiner Zeit das Symbol des christlichen Gottes. Nach seinem Sieg über Maxentius ließ er das Christentum als erlaubte Religion in seinem Reich zu.

Vor diesem Hintergrund fühlte sich eine Schülerin in eine Christin der damaligen Zeit hinein und schrieb folgenden Text:

Liebe Nachwelt,

ich bin Luisa und habe viele Sachen, die mir zu denken geben.

Ich bin in einer christlichen Familie groß geworden. So um das Jahr 300 mussten wir uns verstecken und unsere Religion geheim halten. Wir wohnten in einem kleinen Ort. Meinem Vater gehörte ein kleiner Laden.

Ich wohnte mit meinen Eltern, meinem Bruder und meinem Großvater über dem Laden. Mein Bruder und ich wurden von unserem Großvater unterrichtet, und er hat uns häufig aus der Bibel vorgelesen. Wir hatten ein gutes Leben und viele Freunde, obwohl mein Vater immer meinte, dass man zwischen wahren Freunden und Bekannten Unterschiede machen muss. Erst habe ich das nicht verstanden, aber mittlerweile schon.

Mein Bruder und ich durften niemandem von unserem Glauben erzählen, obwohl mir das ziemlich schwerfiel. Ich hatte damals eine beste Freundin Cloelia, und ich war richtig enttäuscht, als sie meinen Fisch im Sand nicht vervollständigte. Danach habe ich nie wieder versucht, jemandem zu sagen, wer ich wirklich bin – eine Christin.

Wir hatten aber durch Freunde, die auch Christen und Christinnen waren, und mit denen haben wir uns heimlich getroffen. Wir sind abends zu einer verlassenen Hütte gegangen, als es schon dunkel war. Dort mussten wir drei Mal klopfen, bis wir hineingelassen wurden.

Wir haben uns stundenlang Geschichten aus der Bibel erzählt, leise gesungen und gebetet.

Ich habe immer gebetet, dass wir uns nicht mehr verstecken müssen, und von einer besseren Welt geträumt.

Meine Großmutter wurde, als ich noch ganz klein war, hingerichtet, gekreuzigt, weil sie ihren Glauben nicht geheim halten wollte und sich zu Gott und als Christin bekannt hat.

Mein Großvater hat damals gelogen und bei der Gerichtsverhandlung gesagt, dass er nicht wusste, dass seine Frau Christin sei und dass er selbst kein Christ sei. Er hat im Nachhinein gesagt, dass das die schwerste Entscheidung in seinem Leben war, aber er meinen Vater nicht allein lassen wollte.

Danach hat mein Großvater alles getan, damit seine und die Religion meines Vaters geheim blieb.

Seit dem Tod meiner Großmutter ist mein Großvater mit meinem Vater immer zu den Opfergaben für den römischen Kaiser gegangen. Wir waren sogar bei den Kreuzigungen und Gerichtsverhandlungen gegen die Christen. Es war einfach schlimm mitanzusehen, wie noch jemand von uns starb.

Ich habe jeden Abend zu Gott gebetet, und das mache ich immer noch, dass diese Menschen im Himmel sind. Ich selle mir vor, dass sie dort ihren Frieden finden und dass dort keiner verurteilt wird.

Irgendwann nach ein paar Jahren ist herausgekommen, dass ein Ehepaar, mit dem wir uns auch immer in der Hütte trafen, Christen sind. Daraufhin sind wir aus unserem Dorf geflüchtet, weil wir nun auch verdächtigt wurden, Christen zu sein. Die anderen Leute im Dorf wussten, dass wir mit ihnen eng befreundet gewesen sind. Mein Vater hat schweren Herzens seinen Laden geschlossen, und wir sind in einen anderen Ort gezogen.

Dort habe ich meinen Mann Albanus kennen gelernt. Nach einigen Jahren haben wir geheiratet. Ich habe ihm aber nie erzählt, dass ich Christin bin. Das wusste nur meine Familie, wobei meine Eltern direkt nach meiner Hochzeit weitergezogen sind, Sie meinte, so wäre es sicherer, weil die Römer noch immer nach uns suchten.

Mein Großvater war in der Zwischenzeit gestorben. Nur mein Bruder wohnte in derselben Stadt wie ich. Er war zu dieser Zeit ledig und hat, um sich an unseren Großvater zu erinnern, einen Laden eröffnet. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch meinen Bruder, mit dem ich über meinen Glauben reden konnte.

Ich schrieb zwar viele Briefe an meine Eltern und sie an mich, aber ich habe mich nie getraut, schriftlich etwas über unseren Glauben zu schreiben. Meine Eltern haben wenn auch nur Andeutungen gemacht. Wir wussten immer irgendwie, was der Andere meinte und was der Andere wohl lieber schreiben würde.

Aber dann kam die Zeitz, als Konstantin in Rom Kaiser wurde. Ich habe so gehofft, dass er sich gegen Maxentius durchsetzen würde. Ich habe jedoch nie gedacht, dass er so viel verändern würde.
Ich habe heimlich Kirchensteuer gezahlt und die Bibel unter einer Leiste bei uns im Schlafzimmer versteckt. Albanus war Handwerker und häufig den ganzen Tag nicht zu Hause.

Nach einer Zeit beschlossen mein Bruder und ich, offiziell in eine Kirche einzutreten. Deshalb habe ich dann auch offiziell die Kirche finanziell unterstützt. Durch Konstantin mussten wir zwar keine Angst mehr haben, verfolgt zu werden, aber Albanus mochte Christinnen und Christen noch nie. Er konnte den christlichen Glauben einfach nicht verstehen und glaubte nicht an ein Leben nach dem Tod. Deshalb habe ich ihm, obwohl die Religion zu diesem Zeitpunkt erlaubt war, immer noch nicht erzählt, dass ich Christin bin. Doch irgendwann ist Albanus aufgefallen, dass regelmäßig ein Teil des Geldes fehlte, und er hat mich erwischt, als ich zu meinem Herrn betete.

Wir haben über Kinder nachgedacht, und ich hatte mir schon eine ganze Weile vorher den Kopf darüber zerbrochen, wie ich meine Kinder groß ziehen möchte. Also habe ich Albanus nalle gebeichtet und ihm gesagt, dass ich unsere Kinder christlich erziehen möchte, aber er hat mich gar nicht verstanden. Er meinte, er könne nicht mit mir zusammenleben und wolle sich von mir scheiden lassen. Eigentlich hätte ich mich schlecht fühlen müssen, aber ich fühlte mich so frei wie noch nie. Ich stand endlich zu meinem Gott und zu meiner Religion. Und dank Konstantin konnte mich dafür keiner bestrafen. Albanus hat mich zwar angezeigt, aber es kam nie zu einem Prozess, weil Konstantin meinte, da gebe es nichts zu bestrafen und zu entscheiden.

Die Gemeinde hat mir nach Albanus‘ Rauswurf sehr geholfen und war für mich da. Mein Bruder hat seine Ehefrau in der Gemeinde kennen gelernt. Bei ihnen konnte ich für einige Zeit unterkommen.

Jetzt habe ich eine eigene Wohnung und helfe viel in der Gemeinde. Ich habe vor, zu reisen und allen von Gott zu erzählen; ich will mich nicht länger verstecken, sondern zu meinem Glauben stehen.

Das alles verdanke ich Konstantin; durch ihn habe ich den Mut gefunden, mich der Welt zu zeigen, weil ich wusste, dass ich keine Angst vor Konsequenzen haben musste. Ich kann endlich anfangen zu träumen und mir eingestehen, dass nun vieles möglich ist.

Bitte hört niemals auf, euch für die Dinge, die euch wichtig sind, einzusetzen und scweigt nicht!

Eure

Luisa