Nachtrag: Februar-Artikel geriet in Vergessenheit – Sorry!

Emst unterm Hakenkreuz

Unserer Redaktion ist leider ein Fauxpas unterlaufen. Wie sich herausgestellt hat, haben wir tatsächlich einen Artikel nicht veröffentlicht, der längst hätte erscheinen müssen. Daher reichen wir den Text hier gerne nach und entschuldigen uns für diese Unachtsamkeit.

 

Von Alina Schrauf

Am Donnerstag, 27.02.2020, fand ab 17:00 Uhr im Heinrich-König-Haus der Heilig-Geist-Gemeinde in Emst, Oberer Altloher Weg 14, die Veranstaltung ,,Emst unterm Hakenkreuz“ statt. Dafür wurde durch die Hilfe von Archivmaterial, Geschichtsbüchern und der Befragung von Zeitzeugen ein historischer Rundgang über Emst und Bissingheim zur Zeit des Nationalsozialismus zusammengestellt, um der Opfer des Nationalsozialismus in Hagen zu gedenken und das Wissen über die Stadtteile Emst und Bissingheim zur NS-Zeit zu erweitern. Die Power-Point-Präsentation „Tatort Emst“ wurde von den Schülerinnen und Schülern des Projektkurses Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs (RVK) und Koordinator Pablo Arias erstellt und präsentiert. Passend zu den gezeigten Bildern von Menschen und Orten, die im nationalsozialistischen Emst eine Rolle spielten, lasen die Schülerinnen und Schüler Texte vor, die die Geschichten dieser Menschen, also einiger Täter und Opfer, sowie verschiedener Orte auf Emst im Dritten Reich erzählten. Die Veranstaltung wurde von musikalischen Beiträgen von Rüdiger Drallmeyer gerahmt, welcher Lieder komponiert hatte, die am Anfang und Ende der Veranstaltung die Schicksale einiger Opfer des Nationalsozialismus auf Emst wiedergaben.

Rund 170 Zuschauerinnen und Zuschauer wurden darüber informiert, dass das erste Opfer der Nazis in Hagen Alex Best und eines der Letzten Eduard Dunker war. Alex Best wurde am 02.03.1933 von der SA und der Polizei an der Cunostraße erschossen. Das vielleicht letzte Opfer, der zwanzigjährige Deserteur Eduard Dunker, wurde von der Gestapo am 12.04.1945 (zwei Tage vor Kriegsende in Hagen) ermordet. Viele mächtige Nazis, darunter Heinrich Vetter (Oberbürgermeister) und Fritz Scharlemann (Ortsgruppenleiter), wohnten in Emst. Bereits seit 1933 gab es eine Emster NSDAP-Gruppe und auf dem Wasserturm in Emst prangte ein Hakenkreuzsymbol. Die Titelseite des historischen Rundgangs zeigt diesen Wasserturm, dessen Hakenkreuz nachts beleuchtet war. Zwei der Haupttäter, die für die Sterilisierung und Ermordung von über 1000 Hagenern verantwortlich waren, lebten ebenfalls in Emst: Dr. Schlockermann und Dr. Scheulen. Eines von Scheulens Opfern war seine Nachbarin Anna Schäfer, die in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. Nach dem Krieg leitete er weiterhin das Gesundheitsamt.

Der Hagener Geschichtsverein, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Heilig-Geist-Gemeinde sind Partner des Projekts. Auch der Englischleistungskurs des Gymnasiums Hohenlimburg von Herrn Neuhaus und Herrn Füg engagierte sich und übersetzte fleißig Texte vom Deutschen ins Englische. Einen davon, „Captain Carrey“, trug der Schüler Peter Karabaic bei der Veranstaltung vor. Captain Carrey war Offizier der britischen Besatzungstruppen. 1947 zog er mit seiner Frau und seinem Sohn nach Emst. „Ich finde, diese Aktion war sehr gut, vor allem in Anbetracht des rechtsextremistischen Anschlags in Hanau. Durch die Geschichte können wir uns die grauenhaften Taten, auch diejenigen, die in unserer Heimat Hagen, also quasi vor unserer Haustür, geschehen sind, vor Augen führen. Wir müssen uns besonders mit solchen Themen beschäftigen, um sicherzustellen, dass so etwas wie damals im Dritten Reich nie wieder passiert und wir aus den Fehlern der Geschichte lernen“, meint Peter.

Neben den Beiträgen des RVKs gab es auch welche anderer Schulen in Hagen. Die Schülerinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Schule stellten die Biografie von Herrn Dunker vor, der direkt neben der Eilper Schule wohnte. Die Klasse 4 der Grundschule Emst beschrieb das Schicksal der jüdischen Familie Wolff.

Viele Helfer ermöglichten das Projekt durch ihr Engagement mit Informationen, Fotos oder Zeitzeugenberichten. Die Schülerinnen und Schüler des Projektkurses Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs fuhren am 27.11.2019 mit ihrem Lehrer, Herrn Arias, auf eine Exkursion nach Leipzig und Torgau an der Elbe. René Röspel, Mitglied  des deutschen Bundestages, machte die Recherchen auf dieser Studienreise durch finanzielle Unterstützung möglich. Auch er war bei der Veranstaltung Ende Februar anwesend und hielt eine Einleitungsrede zur Wichtigkeit der Veranstaltung.

Die Präsentation ist nicht nur mehrsprachig, sondern auch im Internet als PDF-Datei und kostenlos im RVK als Broschüre erhältlich. Dank der Unterstützung der Stadt Hagen und privater Sponsoren gelang dem Rahel-Varnhagen-Kolleg die Finanzierung sogenannter „Stolpersteine“, die von dem Künstler Gunter Demnig verlegt wurden. Diese sollen die Opfer würdigen und die Erinnerung an ihre Vertreibung und Vernichtung erhalten. Bald kann man mit dem Smartphone durch Emst ziehen und die Arbeit des Rahel-Varnhagen-Kollegs hören, denn die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in Hohenlimburg haben die 17 Stationen des Rundgangs vertont. Parallel zur Verlegung der Steine werden also virtuelle Stolpersteine im Internet hochgeladen, die Fotos, Videos und Audiodateien mit Informationen über die Opfer liefern. Mit Hilfe einer App (www.biparcours.de) kann sich jeder über das Thema informieren. Dort gibt es Quizanwendungen, Themenrallyes, Führungen und Stadt- und Naturrundgänge zu entdecken. Fragen nach Geschehnissen der 1930er und 1940er Jahre an bestimmten Orten oder nach Menschen, die in bestimmten Häusern lebten, können so beantwortet werden!