Abi 2020 – und dann?

Von Leonie Kruppa

Was machst du nach dem Abi? Oder: Was willst du später machen? Ja ,ich glaube, dass jeder angehende Abiturient diese oder ähnliche Fragen schon oft gehört hat. Manche wissen schon lange, was sie später machen wollen und wo sie ihre Träume hinführen. Bei mir war dies jedoch nicht der Fall. Ich wusste lange nicht und weiß zum heutigem Zeitpunkt  auch noch nicht zu 100 % , was ich werden möchte und wo mich mein Weg hinführt. Was ich aber wusste, war,dass ich in den sozialen Bereich reinschauen möchte, um zu sehen, ob ich das im folgenden Berufsalltag machen möchte.

So kam ich auf die Idee, dass ein fsJ, also ein freiwilliges soziales Jahr, der optimale Weg nach dem Abitur ist, um zu schauen, ob ich für den sozialen Berufszweig geeignet bin.
Ich schaute zunächst im Internet nach, wo sich so ein fsJ anbot und wo fsJ`ler gesucht wurden. Ich konnte schon immer gut mit alten Menschen und Kindern umgehen, sodass ich anfing zu recherchieren. Ich stieß auf die fsJ-Angebote der Caritas in Hagen. Dort bewarb ich mich und wurde zu einem Vorstellungsgespräch in einem Altenheim eingeladen. Und so kam es, dass ich für den 01.08.2020 einen fsJ-Platz sicher hatte. Trotz der ganzen Vorfreude und der Aufregung, wie das FsJ so werden würde, sagten mir viele, dass das eine Herausforderung ist, die ich erstmal schaffen muss. Auch wurde gesagt, dass nicht umsonst so viele Stellen in Altenheimen zu vergeben sind.  Nicht nur die aktuelle Problematik rund um die Corona-Pandemie spielte dabei eine große und nicht unbedeutende Rolle, sondern auch, und das auch zum größten Teil, die Arbeit mit den alten Menschen. Meine Aufgabe sollte es nämlich sein, die Menschen sozial zu betreuen, ihnen zuzuhören,mit ihnen Gesellschaftsspiele zu spielen, spazieren zu gehen und Ähnliches. So stand ich vor der Aufgabe, die 63 Bewohner so zu betreuen und ihnen die Aufmerksamkeit zu geben, die sie sonst von ihren Angehörigen bekommen haben. Diese dürfen nämlich seit der Corona-Pandemie nur noch zweit 90 Minuten ihre Familienmitglieder besuchen.

An meinem ersten Arbeitstag fuhr ich also voller Vorfreude aber auch Angst,dass ich die psychische Belastung nicht aushalten würde, zum Altenheim und war gespannt auf die Dinge, die auf mich zukamen. Ich wurde allen Bewohnern vorgestellt und durfte am Nachmittag in die ersten Einzelbetreuungen.
Die ersten Eindrücke und die einzelnen „Schicksale“ von den Bewohnern haben mich sowohl positiv als auch negativ sehr geprägt, sodass ich den ganzen Tag erstmal verarbeiten musste. So verging die erste Woche, wo ich viele Tränen vergoss und mit der psychischen Belastung nicht umgehen konnte.

Auf der einen Seite belasten mich sowohl die Geschichten der Bewohner ,aber auch der Umstand, dass die Familien ihre Liebsten nur kurz besuchen dürfen und ihre Kontakte dadurch extrem eingeschränkt wurden, sehr. Auf der anderen Seite geben die Bewohner einem so unglaublich viel Dankbarkeit und Wertschätzung zurück und ich finde, dass ist das Schönste, was einem im Leben passieren kann.

Ich habe im Verlauf der ersten Wochen gemerkt, dass ich jede einzelne Sache und jedes einzelne Ereignis mit so viel mehr Dankbarkeit aufnehme und jeden Sekunde genieße. Und das wünsche ich jedem Einzelnen von euch auch. Bitte genießt jede einzelne Sekunde mit euren Liebsten und schätz sie wert, denn diese Zeit kann euch niemand zurückgeben.