Nachgefragt – „Lehrer in Pension“

Von Alina Schrauf und Laura Bergmann

Cordula und Peter Trotier lernten sich im Studium an der Universität Münster kennen; sie beide waren studentische Hilfskräfte am Lehrstuhl der „Alten Germanistik“.


Herr Trotier als fröhlicher „Schlossbesitzer“ in Karwe am Ruppiner See im
Fontaneland, wo das abgerissene Schloss als Ruheplatz wiedererstanden ist.

Herr Trotier kam 1964 auf das Gymnasium Hohenlimburg, welches damals noch in der Moltkestraße, der heutigen Gumprechtstraße, lag. Sein Abitur absolvierte er im Jahre 1972, woraufhin es ihn dann zum Studium nach Münster zog. Dort studierte er die Fächer Deutsch und Geschichte auf Lehramt. Nach seinem Studium unterrichtete er von 1980 bis 2017 am Gymnasium Hohenlimburg. Neben Deutsch, Geschichte und Politik unterrichtete er auch katholische Religion in der Sekundarstufe I, wofür er in den 90er Jahren eine Zusatzausbildung machte.  Ebenfalls gab er aufgrund des Lehrermangels gelegentlich Lateinunterricht in den Eingangsklassen.

Frau Trotier mit ihrem Hund Tessa in der „Hunde- Uni“

Frau Trotier studierte Deutsch und Erdkunde auf Lehramt, ebenfalls in Münster. Sie bekam, nachdem sie das Studium und das Referendariat absolviert hatte, eine Stelle am Gymnasium Altlünen in Lünen. Nach der Geburt ihres Sohnes unterrichtete sie von 1984 bis zu ihrer Pensionierung 2017 am Gymnasium Hohenlimburg mit einer halben Stelle als Deutsch-, Erdkunde- und zeitweise auch Geschichts- und Politiklehrerin.

Im Folgenden haben wir das Lehrerehepaar zu seiner Freizeit, zur Schule und zur aktuellen Coronalage befragt:


Vermissen Sie die Schule?

„Obwohl wir viele Jahre im Schuldienst waren und es gern waren, vermissen wir die Schule heute nicht, sondern sind eher froh, dass wir dem aktuellen Stress mit den Coronaregeln und der fortschreitenden Digitalisierung nicht mehr ausgesetzt sind.“

Treffen Sie sich noch mit Ex-Kolleginnen und Ex-Kollegen?

„Die Kollegen und Kolleginnen, mit denen wir über 30 Jahre zusammengearbeitet haben, sind nun auch alle pensioniert, viel unterwegs und deshalb für Treffen oft nur schwer zu erwischen. Die Jüngeren bilden mittlerweile eine ganz neue Generation. Manche haben uns in der Vorcoronazeit gern mit ihren kleinen Kindern besucht. Da war dann Trubel in unserem Haus.“

Frau Trotier: „Dennoch fehlen mir diese regelmäßigen Treffen schon sehr.“

Schauen Sie gelegentlich auf die Internetseite des Gymnasiums und lesen Artikel der Schülerzeitung, um über das aktuelle Schulleben Ihrer alten Schule auf dem neusten Stand zu sein?

Herr Trotier: „Da ich viel am Laptop arbeite und schreibe (ich empfehle die Lektüre der „Hohenlimburger Heimatblätter“!), bin ich manchmal neugierig und schaue auf die Seite des Gymnasiums und auch in die Schülerzeitung. Das ist wirklich ein guter Weg, Informationen aus der Schule zu vermitteln.“

Frau Trotier: „Auch ich schaue in die Schülerzeitung, erhalte meine Informationen aber auch durch einige der jungen Kolleginnen, mit denen ich früher im Lehrerzimmer zusammengesessen habe.“

Welches Ereignis aus ihrer Zeit an unserer Schule würde Sie als besonders schön bezeichnen?

Bei dieser Frage ist sich das Lehrerehepaar sofort einig:

„Schön waren natürlich die Erfahrungen „anderer Art“ bei Klassen- und Stufenfahrten. Selbst wenn man am Ende froh war, alle wieder (mehr oder weniger) heil nach Hause gebracht zu haben, haben wir das Miteinander durchaus genossen. Es fing mit dem „Ahorn“ an, führte über Holzminden, Waldmannshausen (da waren unsere kleinen Kinder sogar mit dabei), den Westerwald, Juist, Borkum, Langeoog, Sylt, die Schlei und den Alfsee schließlich nach Berlin oder Wien. Gemeinsam waren wir 2007 mit dem Sek II Kurs in Wien. Besonders gefreut hat uns da die Begeisterung des Kurses für die Staatsoper, wo die Schülerinnen und Schüler beste Plätze für wenig Geld ergattern konnten, während wir für viel Geld deutlich schlechtere Plätze erwerben mussten. Einige Mädchen sind sogar noch einmal in die Oper gegangen, obwohl sie nur noch Stehplätze bekommen konnten. Die Jungen aßen beim Schnitzelwirt die halbe Portion der Mädchen mit, obwohl die Wiener Schnitzel ohnehin riesig (das Wort ist noch viel zu klein!) waren.
Sensationell waren natürlich die dreimaligen Besuche in China, begleitet von Frau Spiekermann beziehungsweise Herrn Neuhaus, und mit jeweils um die 20 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums. Bei den Gegenbesuchen haben wir uns immer besonders um die mitreisenden chinesischen Lehrerinnen und Lehrer gekümmert und uns um ein interessantes Programm für alle Beteiligten bemüht. Das waren ganz schön anstrengende Kraftakte! Es hat aber immer viel Spaß gemacht und den Horizont aller Beteiligten erweitert, so zum Beispiel in Bezug auf Weltoffenheit und Völkerverständigung, aber auch durch erforderliche Flexibilität bei der Organisation.“

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus und was unternehmen Sie? Werden Sie im Alltag mit Ihren Fächern konfrontiert, sind vielleicht in Vereinen, der Kirche oder anderen Gruppen aktiv und können uns darüber mehr erzählen?

Herr Trotier: „Unser tägliches Leben ist geprägt von meiner Arbeit als Diakon in der katholischen Kirche hier in Letmathe (Altenseelsorge, Beerdigungen, Mitarbeit im katholischen Bildungswerk und manches mehr), von meinen Forschungen und den daraus folgenden Arbeiten an Veröffentlichungen.“

Frau Trotier: „Des Weiteren ist unser Leben von meiner neuen Aufgabe als Hundetrainerin, wobei ich die „Menschenschule“ durch die „Hundeschule“ ersetzt habe, geprägt. Um als Hundetrainerin eigenverantwortlich tätig zu sein, musste ich noch einmal kräftig lernen, um in Köln eine anspruchsvolle dreitägige Prüfung zu bestehen. Außerdem lerne ich fleißig Italienisch, um meine Gehirnzellen nicht einrosten zu lassen. In der katholischen Kirche in Letmathe bin ich ebenfalls ehrenamtlich tätig.“

Haben Sie etwas Außerordentliches, Spektakuläres in der Pension erlebt, über das Sie berichten möchten? Gerade Sie, Frau Trotier, als Geografin, und Sie, Herr Trotier, als Geschichtsexperte, haben bestimmt eine Expedition gewagt.

„Durch die Pensionierung im Jahr 2017 hatten wir die Gelegenheit, an besonderen Ereignissen im Leben unserer Kinder teilzunehmen, etwa der Vorstellung eines Buches unserer Schwiegertochter und einer Preisverleihung an unseren Sohn, beides in Berlin, und an der mündlichen Doktorprüfung unserer Tochter in Frankfurt. Reisehöhepunkte waren 2018 eine Gemeindefahrt in die Ukraine, wohin uns der Erzbischof von Lemberg eingeladen hatte, 2019 eine Fahrt nach Israel und Jordanien und noch Anfang Januar 2020 ein Rombesuch, wo wir Bischof Josef Clemens, den früheren Sekretär von Papst Benedikt, trafen. Ansonsten pendeln wir zwischen Passau (Wohnort unserer Tochter), der Mark Brandenburg, dem „Fontaneland“, und Grömitz, wo meine [Frau Trotiers] 93-jährige Mutter lebt.“

Planten Sie eine Unternehmung, welche durch Corona ins Wasser fiel? Hat sich Ihr Leben in Pension durch Corona massiv verändert, sodass Sie ihren Alltag umgestellt haben?

„Corona hat uns persönlich weniger betroffen, abgesehen davon, dass wir unsere Kinder und die Mutter in Grömitz lange Zeit nicht gesehen haben. Allerdings fehlten die sportlichen Betätigungen, die nun vorsichtig wieder aufgenommen werden, wer weiß, wie lange noch?“

Herr Trotier: „Seit März war ich nicht mehr im Schwimmbad, was ich jahrzehntelang vor dem Unterricht regelmäßig gemacht habe. Das ist schon ein Verlust.“ „Bedauert haben wir alle, die mit Schule zu tun haben und Wege finden mussten und müssen, den „Betrieb“ weiter aufrechtzuerhalten.“