Knochenmarkspende von Hohenlimburger Abiturient

Zweite Chance für 20-jährigen US-Amerikaner. Kontakt von Spender und Empfänger erst in zwei Jahren möglich.
Quelle: WP-Hohenlimburg

Von Laura Bergmann

Die DKMS steht für „Deutsche Knochenmarkspenderdatei“ und engagiert sich für Menschen, die an Blutkrebs erkrankt sind. Unter dem Motto „Wir besiegen Blutkrebs“ wollen sie jedem Menschen auf der Welt helfen, einen passenden Stammzellspender zu finden oder wenigstens einen Zugang zu Therapien ermöglichen.

Jan Heinrich

Doch was ist Blutkrebs überhaupt? Blutkrebs stellt den Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks beziehungsweise des blutbildenden Systems dar, bei denen die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von bösartigen Blutzellen gestört ist. Aufgrund dieser Krebszellen kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr ausführen, zum Beispiel Infektionen bekämpfen, Sauerstoff transportieren oder Blutungen stoppen.

Aussicht auf eine Heilung bietet die Übertragung gesunder Stammzellen bei Leukämie und malignen Lymphomen. Das grundlegende Problem daran ist, dass viele Patienten Kinder und Jugendliche sind, deren einzige Chance eine Stammzellspende darstellt. Doch jeder zehnte Patient findet keinen Spender und alle 15 Minuten bekommt eine neue Person die Diagnose: Blutkrebs.

Der 19-jährige Hohenlimburger Jan Heinrich hat vor gut einem Monat die Chance bekommen, Stammzellen für eine erkrankte Person zu spenden. „Es freut mich ungemein, dass ich einem jungen Menschen die Chance auf ein weiteres Leben ermöglichen kann. Das Gefühl ist unbeschreiblich, macht mich aber überaus glücklich“, erzählt der Spender.

Bei einer Informationsveranstaltung von der DKMS am Gymnasium Hohenlimburg hat er sich vor gut eineinhalb Jahren registrieren lassen. „Ich fand es wichtig mich zu registrieren, da viele Personen nur eine Chance auf eine Heilung und damit auf ein weiteres Leben haben. Dies ist auch der Grund, warum ich keine Sekunde gezögert habe.“

In den Sommerferien bekam er einen Anruf von der DKMS, die ihm mitteilte, dass er als ein potenzieller Spender infrage kommen würde. Schließlich passten seine genetischen Informationen ungefähr mit denen des Patienten überein. Einige Tage später wurde ihm ein Paket mit allen Informationen zur Spende zugeschickt. Daraufhin musste er beim Arzt einige Blutproben abgeben, damit sich die DKMS versichern konnte, dass er wirklich als Spender infrage kommt. „Nach einigen Wochen bekam ich Bescheid, dass ich tatsächlich der beste, geeignetste Spender bin und wurde Ende September zu einigen Voruntersuchungen nach Köln gebeten. Dort waren all meine Werte zum Glück gut, sodass ich ein Medikament mit nach Hause bekam, welches ich mir vier Tage vor der Spende morgens und abends selbst injizieren musste“, so der 19-jährige. Dieses Medikament regt den Körper an, die Stammzellen aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf abzugeben, um diese bei der Spende aus dem Blut filtern zu können.

Die eigentliche Spende fand dann Mitte Oktober statt. Jan begab sich bereits einen Tag vor der Spende nach Köln, um sich dort am darauffolgenden Tag morgens gegen acht Uhr in der Klinik am Mediapark einzufinden. Dort wurde er zunächst auf die Spende vorbereitet erzählt er: „In einem großen Raum, der aufgrund von Corona abgetrennt wurde, wurde ich mit zwei Schläuchen in den Ellenbeugen präpariert, die mit einer Maschine verbunden waren.“ Sein Blut wurde daraufhin aus dem einen Arm heraus in die Maschine gepumpt, in der das Blut gefiltert wurde. Anschließend wurde das gefilterte Blut über den anderen Arm wieder zurück in den Körper gepumpt. „Nach grob dreieinhalb Stunden wurde mein komplettes Blut circa zweieinhalb Mal durch die Maschine gefiltert, wodurch genügend Stammzellen für die Spende zusammenkamen.“

Nachdem er einen Tag später darüber informiert wurde, dass die Spende tatsächlich abgeschlossen sei, wurde ihm ebenfalls bekannt gegeben, an wen seine Stammzellen gespendet werden. „Sie sagten mir, dass meine Stammzellen an einen Anfang 20-jährigen US-amerikanischen Jungen gehen. Diesen darf ich leider aber noch nicht kontaktieren, sondern frühestens in zwei Jahren, wenn die Anonymitätsfrist abgelaufen ist.“

Die Anonymitätsfrist besteht in Deutschland, um unter anderem keine emotionale Bindung aufzubauen, da dadurch keine neutrale Entscheidung bei einer zwingend notwendigen Zweitspende getroffen werden kann. „Den Kontakt möchte ich unbedingt aufnehmen. Denn während dieser Zeit bin ich für diesen Patienten auch noch reserviert, falls er erneut eine Spende benötigt. Wenn alles gut überstanden wurde, möchte ich ihn kennenlernen und wissen, wem ich eine zweite Chance geben konnte.“