Abi … und dann?

Der gescheiterte Versuch, mein Leben nach dem Abi zu planen

Der Abiturjahrgang 2020 hat längst die heiligen Hallen unserer Schule verlassen. Neuer Lebensabschnitt, neue Freunde, neue Herausforderungen… Doch was genau treiben unsere frischgebackenen Ehemaligen in der Ferne? Wir haben nachgefragt.

Von Malea Eickelkamp

Genauso wie alle anderen an eurer (und bis vor kurzem auch noch meiner) Schule musste auch ich mir die Frage stellen, was ich nach dem Abitur machen möchte. Früher stand für mich fest, dass ich in den sozialen Bereich möchte. Daher habe ich schon während der Mittelstufe ehrenamtlich in Kindergruppen mitgearbeitet und viele Seminare besucht, um erste Erfahrungen und gleichzeitig auch ein paar Zertifikate für zukünftige Bewerbungen zu sammeln. Im Laufe der Oberstufe zweifelte ich daran, ob der soziale Bereich mich wirklich erfüllen kann und somit tauchte ich noch in andere Bereiche, wie z.B. den Einzelhandel oder die IT-Branche ein. Meine Vorstellung war es, dass nach dem Abi alles perfekt durchgeplant wäre und ich mir in allem komplett sicher sein würde. Bevor es mit dem Studium losgehen sollte, plante ich für ein Jahr als Hotelanimateurin nach Spanien zu gehen.

Das Abi rückte immer näher und leider kam Corona noch dazu, was meinem Auslandsjahr einen Strich durch die Rechnung machte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich immer noch nicht festgelegt, was ich später machen möchte. Ich hatte Angst, mich für etwas zu entscheiden und fühlte mich verloren inmitten der vielen Möglichkeiten. Ich hatte das Bedürfnis, mein Leben strikt zu planen, aber das war mir durch die ganzen Umstände einfach nicht möglich. Ich brauchte etwas Zeit für mich zum Nachdenken, in der ich alle Sorgen und Zweifel ablegte und mich ausschließlich darauf konzentrierte, was ich persönlich aus meinem Leben machen möchte. Nicht gerade überraschenderweise fiel meine Wahl wieder auf den sozialen Bereich. Mein Ziel ist es, anderen Menschen zu helfen, sie in schlechten Zeiten zu unterstützen und einfach etwas Gutes zu tun. Erwartungen an das Studium hatte ich dabei keine. Um mir viele Berufsmöglichkeiten offenzuhalten, entschied ich mich für den Studiengang „Soziale Arbeit“. Ziemlich spontan unterschrieb ich den Vertrag für ein Fernstudium. Ich habe mich für ein Fernstudium entschieden, weil ich dadurch komplett selbstständig und flexibel lernen kann, mir den Studienort ganz frei aussuchen kann (egal, ob Zuhause auf dem Sofa oder am Strand unter Palmen) und ich, da ich absolut kein Morgenmensch bin, nicht früh aufstehen muss, um zur Uni zu fahren. So kam es also dazu, dass ich bereits seit Anfang Juli offiziell Studentin bin. Nebenbei arbeite ich seit Anfang August bei einem bekannten Supermarkt an der Kasse, was in Coronazeiten etwas anstrengend, aber auch sehr praktisch ist. Mittlerweile bin ich von Zuhause ausgezogen und wohne in Iserlohn, was glücklicherweise immer noch nah genug ist, um mich weiterhin mit meinen Freundinnen zu treffen. Inzwischen habe ich meine erste Hausarbeit bestanden und bin sehr zufrieden mit meinem Fernstudium.

Rückblickend betrachtet habe ich mir viel zu viel Druck und Sorgen gemacht, was gar nicht nötig gewesen wäre. Ich wollte mein Leben mehr planen, als ich überhaupt konnte. Im Endeffekt habe ich einfach die Chancen des Lebens genutzt und für mich das Beste daraus gemacht. Noch vor einem Jahr hätte ich niemals gedacht, dass mein Leben heute so aussieht, wie es jetzt ist. Aber ich bin sehr glücklich darüber, dass alles so gekommen ist. Daher plane ich im Moment auch nicht, ob ich nach Corona doch noch nach Spanien gehe, welchen Beruf ich nach dem Studium ausübe und wo ich heute in einem Jahr stehe. Ich habe Träume und Ziele und treffe meine Entscheidungen zum jeweiligen Zeitpunkt.