Von Merle Marie Biedermann

Während für die meisten Hohenlimburger der Donnerstag gerade erst begann, hieß es für die Sowi-Kurse der Q1 bereits: „Abfahrt!“. Das Ziel: Das politische Herz Europas.
So machten sich die Schülerinnen und Schüler in den frühen Morgenstunden auf den Weg in die belgische Hauptstadt Brüssel in Begleitung von Frau Jordan, Frau Agican, Herrn Schumacher, Herrn Dingfeldt und zwei Mitarbeitenden des Europabüros der Stadt Hagen.
Der Höhepunkt des Vormittags war dann wohl das exklusive Treffen mit Birgit Sippel, die seit 2009 für die SPD (S&D-Fraktion) im Europäischen Parlament sitzt. In einer offenen Diskussionsrunde hatten die Schüler und Schülerinnen die Gelegenheit, die Abgeordnete mit Fragen zu löchern, die weit über das Lehrbuchwissen hinausgingen.
Dabei scheute die Gruppe auch vor komplexen und aktuellen politischen Spannungsfeldern nicht zurück.
Zukunftsvisionen prägen Gespräche über die EU und auch die erste Frage dieses Tages. Auf die Frage nach den „Vereinigten Staaten von Europa“ räumte Sippel ein, dass ein solches Modell durchaus große Vorteile für die Handlungsfähigkeit des Kontinents böte, vor allem im Blick auf sich verdichtende Machtfelder mit den USA und China.

Sicherheit & Migration wurden ebenfalls intensiv diskutiert wurden die Herausforderungen der digitalen Sicherheit sowie die aktuelle Migrationspolitik der EU – ein interessanter Einblick in die Arbeit der EU.
Heutzutage geht eine solche Diskussionsrunde nicht ohne das Thema des aktuellen politischen Klimas. Die Schüler und Schülerinnen zeigten sich besorgt über den spürbaren Rechtsruck in Europa. Doch es gab auch Hoffnungsschimmer, namentlich der Regierungswechsel in Ungarn. Im Hinblick auf die Entwicklungen in Ungarn wurde über die Chancen diskutiert, die ein Regierungswechsel für die Rechtsstaatlichkeit innerhalb der Union bedeuten könnte.

Nach dem direkten Austausch ging es ins Parlamentarium, das Besucherzentrum des Europäischen Parlaments. Mit interaktiven Guides tauchte die Q1 in die Geschichte der europäischen Integration ein. Hier wurde greifbar, wie aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs ein Friedensprojekt entstand, das heute den Alltag von über 440 Millionen Menschen prägt.
Nach so viel politischem Input durfte die kulturelle Seite Brüssels natürlich nicht zu kurz kommen. Am Nachmittag erkundeten die Kurse die Brüsseler Innenstadt. Zwischen dem prachtvollen Grand Place und den zahlreichen Chocolatiers blieb genug Zeit, um original belgische Pommes oder Waffeln zu genießen und die internationale Atmosphäre der Stadt aufzusaugen.
Erschöpft, aber mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck, trat die Gruppe am Abend die Rückreise nach Hohenlimburg an. Was bleibt, ist nicht nur das Wissen über die Funktionsweise der EU, sondern das Gefühl, dass Politik nichts Abstraktes ist, sondern etwas, das man mitgestalten kann.
