Weltfrauentag – Worum geht’s eigentlich?

Von Merle Biedermann

Weltweit wurden 2024 schätzungsweise 50.000 Frauen und Mädchen von Partnern oder Familienangehörigen getötet, was etwa 137 Femiziden pro Tag oder einem Femizid alle zehn Minuten entspricht.

Jedes Jahr am 8. März wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert. Für viele wirkt der Tag symbolisch und oberflächlich, doch hinter diesem Datum steckt eine lange Geschichte politischer Kämpfe und gesellschaftlicher Veränderungen.

Seinen Ursprung hat der Internationale Frauentag in der Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Frauen arbeiteten damals häufig unter besonders schlechten Bedingungen. Sie ertrugen lange Arbeitszeiten mit niedrigen Löhnen und kaum politische Rechte. In vielen Ländern durften Frauen weder wählen noch politisch in jeglicher Form mitbestimmen.

1910 schlug die deutsche Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin auf einer internationalen Konferenz sozialistischer Frauen in Kopenhagen dann vor, einen weltweiten Frauentag einzuführen. Ziel war es, auf die Forderungen der Frauenbewegung aufmerksam zu machen, darunter das Frauenwahlrecht, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gleichberechtigung.

Bereits das Jahr drauf in 1911, wurde der Frauentag erstmals in mehreren europäischen Ländern gefeiert. Es gab Demonstrationen und Veranstaltungen in allen teilnehmendem Ländern. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Tag immer stärker zu einem Symbol für den Kampf um Frauenrechte.

In Deutschland spielte der Frauentag vor allem in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle. 1918 wurde schließlich das Frauenwahlrecht eingeführt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Frauentag allerdings verboten und erst nach dem Zweiten Weltkrieg gewann er wieder an Bedeutung.

Seit 1975 wird der Internationale Frauentag auch offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt und weltweit gefeiert.

Tatsächlich wurden in den letzten hundert Jahren große Fortschritte erreicht: Frauen dürfen wählen, studieren, politische Ämter übernehmen und in nahezu allen Berufen arbeiten.

Ein langer Weg wurde beschritten, doch wird sind noch lange nicht am Ziel – Frauen sind immer strukturell unterrepräsentiert und benachteiligt, wenn auch nicht in Deutschland.

In Führungspositionen sind Frauen häufig unterrepräsentiert. In der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stellen Männer weiterhin einen großen Teil der Entscheidungsträger. Der Frauentag erinnert daher daran, dass Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papier existieren sollte, sondern auch in der Realität.

Ein weiteres Thema ist die unbezahlte Care-Arbeit. Dazu gehören unter anderem die  Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Hausarbeit. Diese Aufgaben werden noch immer überwiegend von Frauen übernommen, weswegen sie oft in Teilzeit arbeiten und berufliche Chancen verpassen.

Außerdem macht der Internationale Frauentag auf Probleme aufmerksam, die Frauen weltweit betreffen, etwa mangelnden Zugang zu Bildung, Diskriminierung oder Gewalt gegen Frauen weltweit.

Der Internationale Frauentag ist deshalb mehr als nur ein symbolischer Feiertag. Er erinnert an die Menschen, die sich über Generationen hinweg für Gleichberechtigung eingesetzt haben – und daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt oft das Ergebnis von Engagement und Mut ist.

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